Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.09.2017


Medientage

Printmedien schaffen Qualitätsjournalismus

Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) forderte bei den Medientagen

die Regulierung von sozialen Medien und Online-Giganten.

© Johannes BrunnbauerMoser-Holding-Vorstandschef Hermann Petz begrüßte Minister Drozdas Facebook-Kritik.



Wien – Jährlich lädt der Manstein Verlag zur Branchenkonferenz, bei den Österreichischen Medientagen wird traditionell in die Zukunft von Print, Fernsehen, Radio und Werbung geblickt. Die hohe Männerquote bei Vortragenden und Diskussionsteilnehmern sorgte im Vorfeld der Tagung für Kritik– auf die auch die Teilnehmer reagierten. So hätte der Journalist und Verleger Jakob Augstein am gestrigen Eröffnungstag mit einem Vortrag zum Thema Printjournalismus hinführen sollen. Doch Augstein war erkrankt, die Absage ändere jedoch nichts an der niedrigen Frauenquote, stellte profil-Chefredakteur und Herausgeber Christian Rainer mit Blick auf das männlich besetzte Podium fest.

Das eigentliche Thema am Nachmittag war die Zukunft von Print, als dessen Verfechter sich Moser-Holding-Vorstandsvorsitzender Hermann Petz mit seinem 2015 erschienenen Buch „Die Zeitung ist tot? Es lebe die Zeitung!“ etablierte. Eine Haltung, die er auch bei den Medientagen vehement vertrat. Regional positionierte Printmedien wie beispielsweise die „Bundesländerinnen“ würden gut funktionieren. Und die Tiroler Tageszeitung schaffte es laut Petz vom Medium zur Marke, „jeder Zweite liest täglich die TT“ und nehme sich dafür „exklusiv 20 bis 30 Minuten Zeit“. Mit dieser Breitenwirkung rücke die Zeitung also „weit weg vom Adelsbegriff“, nahm er kritisch auf den Titel der Diskussionsrunde („Der neue Adel heißt Print“) Bezug. Und mit der Online-Präsenz habe sich die TT noch breiter als Nachrichtenmarke etablieren können.

Klar sei aber auch, dass nur gedruckte Zeitungen Qualitätsjournalismus finanzieren könnten, fügte Petz hinzu. Erfreut zeigte sich der Moser-Holding-Chef über die Ankündigung von Medienminister Thomas Drozda (SPÖ), der in seiner Eröffnungsrede die Regulierung von sozialen Medien und Online-Giganten forderte. Eine Demokratie brauche „Sanktionen gegen jene, die unzulässig Dominanz ausüben“, meinte Drozda. Neue Technologien hätten „in gewisser Hinsicht das Weltwissen demokratisiert“, doch soziale Medien gehörten ebenso reguliert „wie der Straßenverkehr“. „Der Markt organisiert keine Demokratie“, erklärte der Minister. Face-­ book oder Twitter als Wirtschaftsunternehmen sei ihr Beitrag zur demokratischen Gesellschaft „völlig egal“. Daher sei es „kein Fehler, wenn man sie dahin reguliert, dass sie unseren Gesellschaften nicht schaden, sondern nützen“. Es gelte, in die „Infrastruktur der Demokratie zu investieren“, gab Drozda ein Bekenntnis zum ORF und den traditionellen Medien ab.

Als eine Herausforderung für den Journalismus wurde der so genannte Roboterjournalismus, also von Maschinen erzeugte Inhalte, bezeichnet. Die Medienmacher sahen diesen durchaus kritisch und pochten auf die Bedeutung von kritischem Journalismus. Das Umfeld werde sich aber verändern. (ritz, APA)