Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 19.11.2017


Medien

Antwort vom Roboter: Wie Mensch und Maschine reden

Mensch und Maschine kommunizieren immer öfter miteinander. Beim Medientag der Uni Innsbruck stehen soziale Roboter im Zentrum.

© iStockFür Unternehmen antworten per Chat immer öfter soziale Roboter auf Fragen.



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Die Antwort auf eine Beschwerde an ein Unternehmen kommt von einer Maschine, die beliebtesten Tweets auf dem Internet-Nachrichtendienst Twitter ebenfalls und bei der Frage nach Wetter oder Verkehrssituation antwortet gar kein Mensch mehr – sondern ein Bot, ein Computerprogramm.

Das Wort stammt aus der Robotik, dem Fach der Roboter. „Es geht es hierbei aber nicht um den Mäh-, Industrie- oder Nano-Roboter, sondern um ‚Social Bots‘ und ‚Chat Bots‘, die mit dem Menschen kommunizieren“, erklärt Theo Hug, Sprecher des Medienforums Innsbruck.

Weil diese Programme in vielen Bereichen immer mehr mit uns kommunizieren, kommt fast niemand mehr an ihnen vorbei. Grund genug, sie zum Thema des Medientags 2017 der Universität Innsbruck in Kooperation mit der Tiroler Tageszeitung zu machen. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 21. November, statt.

„Noch am Tag der deutschen Bundestagswahl wurden mehr als 14 Prozent der Tweets von Bots abgesetzt“, sagt Hug vom Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation der Uni Innsbruck. In Österreich könne man von ähnlichen Zahlen ausgehen.

Die Angst oder zumindest Unsicherheit schwingt bei vielen beim Thema Bots und künstliche Intelligenz mit. Maschinen, deren Programmierer eine bestimmte Meinung verbreiten wollen – Meinungsmaschinerie bekommt da eine weitere Bedeutung.

Doch müssen wir uns an Kommunikation von Programmen gewöhnen, wie gehen wir damit um, welche Vor- und Nachteile haben die Bots und woran erkennt man sie? Auf diese und viele weitere Fragen sollen die Vorträge und anschließenden Diskussionen am Medientag Antworten liefern.

Dass Bots auch Vorteile bringen, macht David Pichsenmeister deutlich. Der Wiener ist Mitbegründer der Plattform orat.io. „Die Seite ermöglicht es Unternehmen, mit Kunden über verschiedene Messenger-Dienste zu kommunizieren“, erklärt er. So landet nicht jede zum tausendsten Mal gestellte und einfach zu beantwortende Frage bei Mitarbeitern eines Unternehmens, sondern wird vom Bot beantwortet. Die Mitarbeiter haben dann Zeit für schwierigere oder kompliziertere Anliegen.

Pichsenmeister wird am Medientag Einblicke in diesen Bereich der alltäglichen Kommunikation der Chat Bots geben. „Österreich hinkt da hinten nach, aber aus den USA gibt es bereits einige interessante Anwendungen“, berichtet er.

Hug sieht große Veränderungen in diesem Bereich. „In technischer Sicht passiert gerade viel. Bei Amazon sind über 1000 Menschen mit der Programmierung, wie etwa dem Assistenzsystem Alexa, beschäftigt. Da sind unglaubliche Summen im Spiel.“ Für viele Nutzer bedeuten diese Systeme Bequemlichkeit. „Aber die Unternehmen wollen da sicher mehr herausbekommen. Deshalb braucht es Regulierungen, da ist die Politik gefordert“, sagt Hug. Und es brauche zudem auch Diskussionen in der breiten Öffentlichkeit. Damit die Gespräche zwischen Mensch und Maschine kein Dauer-Streit werden.

Medientag 2017: Talk with the Bots. Die Maschine versteht dich

Der Medientag 2017 dreht sich um das große Thema „Bots“. Die Kommunikation mit Maschinen reicht von politischer Propaganda bis zu Assistenzsystemen, etwa für Blinde. So vielschichtig das Thema ist, so viele Fragen wirft der Einsatz von Social Bots und Chat Bots auch auf allen Ebenen auf. Die Veranstaltung findet in Innsbruck in der Aula der Leopold-Franzens-Universität, Innrain 52, Hauptgebäude, statt. Eingeladen ist jeder interessierte Zuhörer.

Programm. Um 14 Uhr eröffnet Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, mit Medienforum-Innsbruck-Sprecher Theo Hug, Moser-Holding-CEO Hermann Petz und APA-CEO Clemens Pig die Veranstaltung. Nach einer Einführung in das Thema folgen drei Impulsvorträge über Sprache, Technik und Ethik. Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion um 16.30 Uhr.