Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.12.2017


Medien

Die Maus jagt den Fuchs

Disney will das Fox-Studio kaufen – und dadurch Streamingdienst Netflix treffen.

© GETTY IMAGES NORTH AMERICADisney-Chef Bob Iger will 2019 einen eigenen Streamingdienst starten.Foto: AFP



Los Angeles – Spekuliert wird über den Deal seit Wochen – nun könnten die Verhandlungen zwischen dem Unterhaltungskonzern Disney und 21st Century Fox – das amerikanische Film- und TV-Studio gehört zum Medienimperium von Rupert Murdoch – tatsächlich in die letzte Runde gehen. Rund 60 Milliarden Dollar soll Disney die Erweiterung des eigenen Portfolios wert sein. Eine Einigung könnte noch in dieser Woche erzielt werden, berichtet der Sender CNBC.

Offiziell ist bislang nur, dass Rupert Murdoch bereits im Oktober dieses Jahres laut darüber nachdachte, sich von 21th Century Fox – einem der sechs großen Hollywoodstudios – zu trennen, um sich auf den TV-Sender Fox und den politisch enorm einflussreichen konservativen Nachrichtenkanal Fox News sowie seine Sportprogramme zu konzentrieren. Hintergrund für diese Entscheidung dürfte nicht zuletzt die gewachsene Konkurrenz im Bewegtbildbereich durch Streaming­anbieter wie Netflix sein.

Und auch Disneys Interesse an Fox wird erst durch den Blick auf die neuen Mitbewerber um die Gunst des Publikums erklärbar. Erst kürzlich kündigte Konzernchef Bob Iger an, dass Disney künftig mit eigenem Dienst auf den Streamingmarkt drängen will. 2019 soll die eigene Plattform online gehen. Durchaus lukrative Lizenzverträge mit Netflix oder Amazon wird es dann nicht mehr geben. Wer künftig Disney-Filme sehen will, muss Disney abonnieren. Und Disney-Filme, daran sollte vielleicht erinnert werden, das heißt nicht nur Micky Maus und Donald Duck, sondern auch „Star Wars“, Marvel-Blockbuster und Pixar-Animationshits. Dass die Attraktivität des eigenen Angebots durch Filme und Serien aus dem Fox-Fundus, James Camerons „Avatar“ zum Beispiel, zusätzlich steigen würde, steht außer Frage.

Zumal sich Disney durch den Milliardendeal nicht nur Content, also Inhalte, sondern auch digitale Kompetenz und Einfluss einverleiben kann: Bereits jetzt hält das Unternehmen – gemeinsam mit Fox übrigens – Anteile am Streamingdienst Hulu. Ginge der Deal über die Bühne, wäre Disney Mehrheitseigner. Hulu, lange Amerikas Streaming-Stiefkind, sorgte zuletzt mit der vierfach Emmy-gekrönten Serie „The Handmaid’s Tale“ für Aufsehen.

In trockenen Tüchern freilich ist der – laut Medienwissenschafter Jason Squire (University of Southern California) – „seismic shift“ in der amerikanischen Bewegtbildbranche noch nicht. Auch weil die US-Kartellbehörde Einwände erheben könnte: Allein im nun zu Ende gehenden Jahr hatte Disney in den US-Kinos einen Marktanteil von 18 Prozent, während 21th Century Fox rund 12 Prozent erreichte.

Streamingmarktführer Netflix hat bereits angekündigt, dem Giganten, der gerade Gestalt annimmt, mit breiter Brust begegnen zu wollen: 2018 will das Unternehmen mehr als acht Milliarden US-Dollar für die Entwicklung exklusiver Inhalte ausgeben. (jole)




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