Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.01.2018


Exklusiv

In Mayrhofen tobt ein Medienstreit

Das Mayrhofner Amtsblatt „Zillertaler Heimatstimme“ bekommt Konkurrenz. Die neue Zeitung bringt jenes Werbehaus heraus, das bisher die Heimatstimme produzierte und dem nun Irreführung vorgeworfen wird.

© DählingWer die Heimatstimme im Internet lesen wollte, landete letzte Woche direkt bei der Zillertaler Zeitung. Inzwischen wird stattdessen zur Firma Cicero weitergeleitet.



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Wer in den vergangenen Wochen im Internet auf die Homepage der Zillertaler Heimatstimme klickte, staunte nicht schlecht. Zwar zeigte sich die Seite im vertrauten dunklen Blau des 70 Jahre alten Amtsblattes der Marktgemeinde Mayrhofen und ähnelte ihr auch sonst inhaltlich. Aber oben prangte ein neuer Schriftzug: „Jetzt neu: Zillertaler Zeitung“.

Hat die Heimatstimme einen neuen Namen, fragten sich viele. Mitnichten, wie sich auf Nachfrage bei Bürgermeisterin Monika Wechselberger herausstellt. „Die Heimatstimme gibt es weiterhin. Die neue Zeitung ist ein Konkurrenzprodukt“, informiert sie. Die Marktgemeinde ist Medieninhaberin, Verlegerin und Herausgeberin der Heimatstimme. Herausgeber des neuen Blattes ist die Firma Cicero Design, die 27 Jahre für die Gemeinde das Produkt Heimatstimme hinsichtlich Redaktion, Layout und Inserate abgewickelt hat. Damit ist seit 31. Dezember Schluss.

„Da endete die Vereinbarung, die es hinsichtlich des Seitenpreises mit Cicero gibt“, erklärt die Bürgermeisterin. Diese Preisabsprache sei die einzige Vereinbarung, die es gegeben habe, sagt Wechselberger. Das war ihr zu wenig. Denn schließlich zahle die Gemeinde der Firma jährlich rund 400.000 Euro für die Produktion des Amtsblattes – das übrigens nicht gratis ist, schwarze Zahlen schreibt und Teil des Gemeindebudgets ist. „Laut Bundesvergabegesetz müssen wir die Vergabe ausschreiben, weil wir den erlaubten Oberschwellenbereich von 209.000 Euro für Dienstleistungen weit überschreiten. Derzeit ist es eine unzulässige Direktvergabe“, erklärt BM Wechselberger ihre Rechtsauffassung. Diese Ausschreibung, die die Marktgemeinde nun begleitet von einer Vergabejuristin durchführt, dürfte zum Bruch mit dem langjährigen Geschäftspartner Cicero geführt haben.

"Jetzt neu: Zillertaler Zeitung", hieß es auf der letzte Woche auf der Internetseite der "Zillertaler Heimatsstimme".
- TT (Screenshot)

Zwar betont Wechselberger, an der Arbeit des Werbehauses sei nie etwas zu beanstanden gewesen und dass sie auf ein Angebot der Firma gehofft habe, weil sie ja wolle, dass die Produktion im Zillertal bleibe. Aber die Unsicherheit, ob sein heimisches Unternehmen tatsächlich das Rennen machen würde, war dem Cicero-Chef offenbar zu groß, lässt Gemeindevorstand Hansjörg Moigg durchblicken. Moigg: „Ob es zwei Zeitungen im Tal braucht, ist jedoch fraglich.“

Mit der Vorbereitung zum Erscheinen der Zillertaler Zeitung fing ein Medienstreit in Mayrhofen an, mit dem sich jetzt auch Rechtsanwälte beschäftigen. „Bewusste Irreführung“ wirft die Gemeinde dem Werbehaus vor. Denn Cicero habe die Facebook-, Inserenten- und Abonnentenkontakte sowie Inhalte der Heimatstimme für die neue Zillertaler Zeitung genutzt. Die Domäne www.heimatstimme.at hatte sich Cicero schon vor Jahren gesichert. „Viele dachten, die Heimatstimme heißt jetzt Zillertaler Zeitung“, sagt Wechselberger. „Bei der Google-Bildersuche steht unter Bildern von mir aus der Heimatstimme jetzt Zillertaler Zeitung. Das geht zu weit“, nennt Wechselberger ein Beispiel.

Per Rechtsanwaltschreiben habe die Gemeinde die Firma Cicero zur Unterlassung aufgefordert. „Wir wollen nicht vor Gericht streiten, sondern das gütlich lösen. Aber handeln muss ich“, sagt Wechselberger. Dieser Tage klärt sie mittels Flugblatt, das an alle Zillertaler Haushalte gehen wird, über die Situation auf. Die erste Heimatstimme 2018 soll am 12. Jänner erscheinen, die Werbeagentur „Die Praxis“ erledigt interimistisch bis zur Vollendung der Ausschreibungsphase die Aufgaben für das Wochenblatt.

Der Heimatstimme haben auch der langjährige und bereits pensionierte Redakteur sowie ein weiterer redaktioneller Mitarbeiter den Rücken gekehrt. Auch die Druckerei Sterndruck wird statt der Heimatstimme nun die Zillertaler Zeitung drucken. „Wir hatten nie eine Geschäftsbeziehung mit der Gemeinde Mayrhofen. Unser Auftraggeber war Cicero. Aber wir haben nichts gegen die Heimatstimme“, erklärt Sterndruck-Chef Jörg Höllwarth. Ein Verlust der Heimatstimme-Produktion hätte zu Arbeitsplatzverlusten bei ihm und Cicero geführt, erklärt Höllwarth Hintergründe zur Entstehung der neuen Zeitung. Jeder sei informiert worden, dass Cicero nicht mehr für die Heimatstimme zuständig ist, so Höllwarth zum Vorwurf der Irreführung und Abwerbung. „Man hätte das alles laut unseren Rechtsauskünften anders lösen können – ohne europaweite Ausschreibung“, meint er.

Cicero-Chef Peter Knauer war trotz mehrmaliger Versuche nicht für eine Stellungnahme erreichbar.