Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.02.2018


Medien

Schwarz-Blau baut Macht im ORF-Stiftungsrat aus

Franz Küberl wird ersetzt. Tiroler Josef Resch will unter Vorbehalt bleiben.

© APA/GEORG HOCHMUTH



Wien, Innsbruck – Der Stiftungsrat ist so etwas wie der Aufsichtsrat des ORF und ergo mächtig. Das politisch beschickte Gremium bestellt den Generaldirektor und kann diesen mit Zweidrittelmehrheit auch vorzeitig in die Wüste schicken. Und eine Zweidrittelmehrheit streben die Regierungsparteien ÖVP und FPÖ auch an. Motto: Unabhängige und Rote raus, Schwarze und Blaue rein.

Am Wochenende wurde bekannt, dass der frühere Caritas-Chef Franz Küberl nach 20 Jahren nicht mehr in den Stiftungsrat entsendet wird. Küberl übte seine Funktion unabhängig aus, ohne politische Zurufe. Ihm soll nach Informationen des Standard der Präsident des Katholischen Familienverbandes, Alfred Trendl, folgen. Durch diese und weitere Rochaden würden ÖVP und FPÖ schlussendlich zusammen 24 von 35 Sitzen des Stiftungsrates kon­trollieren, eben zwei Drittel aller Stimmen.

Im ORF wird dieser koalitionäre Machtausbau als „Drohgebärde“ in Richtung ORF-General (und SPÖ-Kandidat) Alexander Wrabetz gesehen, seit 2006 Chef am Küniglberg. „Wrabetz soll wohl Personal­entscheidungen nach dem Gusto der schwarz-blauen Regierung durchziehen“, erklärt ein ORF-Insider, der ungenannt bleiben will, der TT.

Der Bereich Fernseh-Information steht vor dem Umbau. Chefredakteur Fritz Dittlbacher, verantwortlich für den aktuellen Dienst in ORF eins und ORF 2 und in der Redaktion hoch angesehen, hat sich den Groll der Regierung zugezogen. Er könnte ausgebootet werden, indem sowohl ORF eins als auch ORF 2 einen eigenen Chefredakteur erhalten.

Im März endet die Periode des derzeitigen Stiftungsrates. Im Mai konstituiert sich der neue. Tirols Vertreter in diesem Aufsichtsgremium ist Kulturveranstalter Josef Resch. Er ist von der schwarz-grünen Tiroler Landesregierung entsendet worden und streut ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter Rosen: „Er hat sich nie eingemischt, auch nicht, als ich Wrabetz gewählt habe.“ Gefragt, ob er auch unter den neuen Machtverhältnissen im ORF Stiftungsrat bleiben wolle, sagt Resch: „Wenn wir weiter etwas zu entscheiden haben, dann schon.“ Möglich ist nämlich, dass der Stiftungsrat durch ein neues ORF-Gesetz andere Aufgaben erhält. Noch liegt aber nicht einmal ein Gesetzesentwurf vor.

Die Grünen fordern, dass der nächste Tiroler Stiftungsrat durch ein öffentliches Hearing ermittelt wird. Mehrere Kandidaten sollen sich dem Landtag präsentieren, so Klubchef Gebi Mair. (mark)




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