Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.05.2018


Exklusiv

Postenvergabe im ORF, eine Frage des Stallgeruchs

Zwei Tiroler Journalisten machen im Fernsehen Karriere. Die Begleitmusik ihrer Bestellung könnte unterschiedlicher kaum sein.

© ORFDieses Duo verantwortet künftig die Information im ORF: Matthias Schrom als Chefredakteur von ORF 2...



Von Markus Schramek

Wien, Innsbruck – Er hört auf die Spitznamen „Matti“ und „Schromsky“, gilt als umgänglich und kumpelhaft. Und jetzt hat er einen gewaltigen Karrieresprung hingelegt. Denn Matthias Schrom, 44, ist nämlich noch etwas: ziemlich ehrgeizig. Mit 11. Juni wird der aus Innsbruck stammende Journalist neuer Chefredakteur von ORF 2. Der glühende Fan von Wacker Innsbruck, selbst ein nicht untalentierter Kicker, erhält eine geballte Ladung Macht: Schrom wird die Info-Flaggschiffe ZiB 1 und ZiB 2 verantworten, Chef von fast 200 Mitarbeitern sein, bei einem Budget in zweistelliger Millionenhöhe.

„Chapeau!“, könnte man da dem Exiltiroler in Wien zurufen. Wenn da nicht der starke politische Geruch wäre, der dieser Personalie anhaftet.

... und Wolfgang Geier von ORF eins.
- ORF

Denn ORF-intern gehen am Küniglberg die Emotionen hoch: Obwohl parteilos, wird Schrom eine Nähe zur FPÖ nachgesagt. Die Redakteurskollegen haben dem Tiroler bei einer Abstimmung ein Debakel beschert: Nur neun von mehr als 100 Stimmen gingen an den neuen Chef. Das Kollegium wollte weiterhin Fritz Dittlbacher in der Führungsposition.

Doch im ORF, das hat jüngst der Tiroler Stiftungsrat Josef Resch entwaffnend offen konstatiert, gelten andere Gesetze: Die Politik spricht bei den Top-Jobs ein deutliches Wörtchen mit. Und so hat ORF-Chef Alexander Wrabetz, als SPÖ-Mann unter der ÖVP/FPÖ-Bundesregierung selbst massiv unter Druck, dem Wunsch von Schwarz-Blau entsprochen und Schrom durchgedrückt.

An dessen journalistischen Fähigkeiten zweifelt kaum jemand. Schrom hat das Handwerk in der Heimat gelernt, beim Privatradio Antenne Tirol und beim hiesigen ORF, eher er sich 2004 in Richtung ORF-Wien aufmachte und schließlich in der Innenpolitik des Senders landete.

Als Kandidat wurde der verheiratete Vater einer siebenjährigen Tochter schon für vieles gehandelt, so sogar auch als Geschäftsführer der SPÖ Tirol. „Diese angebliche SPÖ-Nähe hat Schrom auch unter Wrabetz den Weg in die ,Zeit im Bild‘-Redaktion geebnet“, ätzt ein ORF-Redakteur, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Und jetzt, bei geänderten Machtverhältnissen im Bund, sei „der Schromsky“ eben auf einem blauen Ticket zum Chef befördert worden.

Der Neue am Ruder der ZiB steht nun unter Beobachtung. Und er scheint sich dessen bewusst zu sein. Schrom will weiterhin eine „unabhängige, ausgewogene und objektive Berichterstattung sicherstellen“, wie er in einer ersten, knappen Aussendung mitteilt. Interviews gibt es vorerst nicht. Das will Wrabetz so.

Viel ruhiger verlief da der Aufstieg eines zweiten ORF-Tirolers in Wien. Der Kufsteiner Wolfgang Geier, 52, wie Schrom derzeit Teil des Innenpolitik-Teams, wird Chefredakteur von ORF eins.

Auch Geier arbeitete sich vom Landesstudio Tirol aus Richtung Wien vor und karrierewärts nach oben. Politisch streifte der frühere USA-Korrespondent nirgends an. So hat mit seiner Bestellung auch niemand ein Problem.