Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Wissenschaft

Rehabilitation von Mathias Schmid: Instagram im 19. Jahrhundert

Mathias Schmid soll wissenschaftlich rehabilitiert werden, Buchprojekt ist geplant.

Kunsthistoriker Joseph Imorde (Univ. Siegen), Museumsleiter Erwin Cimarolli und Peter Scholz (v. l.), Kustos der Tiroler Landesmuseen, arbeiten an der wissenschaftlichen Rehabilitierung von Mathias Schmid.

© WenzelKunsthistoriker Joseph Imorde (Univ. Siegen), Museumsleiter Erwin Cimarolli und Peter Scholz (v. l.), Kustos der Tiroler Landesmuseen, arbeiten an der wissenschaftlichen Rehabilitierung von Mathias Schmid.



Ischgl – „Seine malerischen Qualitäten sind hervorragend, die Konfiguration der Personen ist stimmig. Es gelingt ihm, die psychologisch entscheidende Situation im richtigen Moment darzustellen.“ So bringt Joseph Imorde die „Bildbotschaft“ des Paznaune­r Malers Mathia­s Schmid (1835–1923) auf den Punkt. Als Beispiele dafür nennt er Werke wie „Die Karrenzieher“, „Der Sittenwächter“ oder „Die Vertreibung der Zillertaler Protestanten“.

Neben Imorde, Kunstwissenschafter an der Universität Siegen, sowie Peter Scholz, Kustos der Tiroler Landesmuseen, trafen sich am Wochenende weitere Experten sowie Nachkommen von Mathias Schmid zu einem Workshop in Ischgl. Eingeladen hatte Museumsleiter Erwin Cimarolli, Hintergrund ist das 20-jährige Bestehen des Ischgler Mathias-­Schmid-Museums.

Imorde zeigte die Bedeutung der boomenden Reproduktionsindustrie („Instagram des 19. Jahrhunderts“) auf. Auch wenn Schmid „andauernd“ gemalt habe, sei der Verkauf der Gemälde – übrigens wie bei Franz Defregger – nicht unbedingt im Vordergrund gestanden. Vielmehr hätten die beiden mit großen illustrierten Zeitschriften wie der Gartenlaube (Auflage bis zu 380.000 Stück) und Postkartenverlagen zusammengearbeitet. Zudem seien reproduzierte Gemäld­e in unterschiedlichen Größen verkauft worden. „Auch die Mittelschicht hat sich die populären Bilder als Wandschmuck geleistet“, so Imorde.

In Wissenschaft und Forschung habe sich der Genremaler bisher nicht etablieren können. „Es ist Zeit, den sozialkritischen Maler wissenschaftlich zu rehabilitieren und aus der Versenkung zu holen“, erklären die Experten. Mit dem Workshop sei es gelungen, Schmid auf ein neues Niveau zu heben und aus neue­n Blickwinkel­n zu betrachten, resümierte Scholz. Die Workshop-Ergebnisse werden laut Scholz in ein Buchprojekt einfließen. (hwe)

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