Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 20.06.2019


Medien

Diskussion am MCI: Von Medienmonopolen und Rindersteaks

Der Versuch der Wirtschaft und der Politik, Medien zu kontrollieren, ist in Argentinien weit fortgeschrittener als bei uns. Ein Vergleich.

Herbert Prock (l.), Direktor für soziale Angelegenheiten bei VW Argentinien und Ex-SPÖ-Chef in Tirol, diskutierte mit ORF-2-Chefredakteur Matthias Schrom (r.) und MCI-Leiter Andreas Altmann.

© Thomas Boehm / TTHerbert Prock (l.), Direktor für soziale Angelegenheiten bei VW Argentinien und Ex-SPÖ-Chef in Tirol, diskutierte mit ORF-2-Chefredakteur Matthias Schrom (r.) und MCI-Leiter Andreas Altmann.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – In den Reihen der Zuseher fanden sich Dienstagabend am MCI viele bekannte Gesichter. Altlandeshauptmann Herwig van Staa war ebenso gekommen wie die erste grüne EU-Parlamentarierin und Landesrätin Eva Lichtenberger, beide Protagonisten der Landespolitik der vergangenen Tage. Auf dem Podium diskutierten nämlich unter der Leitung von MCI-Chef Andreas Altmann der ehemalige Tiroler SPÖ-Chef Herbert Prock mit ORF-2-Chefredakteur Matthias Schrom über „Politik, Wirtschaft, Medien: Getrennte Bereiche oder kommunizierende Gefäße“.

Prock war von 1994 bis 2002 SPÖ-Vorsitzender in Tirol und saß jahrelang neben den ÖVP-Granden Wendelin Weingartner und seinem Freund Ferdinand Eberle auf der Regierungsbank. Nach dem Ende seiner politischen Karriere verließ Prock Tirol und folgte Ex-Bundeskanzler Viktor Klima zu VW nach Argentinien. 16 Jahre lang war er dort Direktor für soziale Angelegenheiten. Nun sei er in Pension, meinte Prock am Dienstag. „Ich bin jetzt selbstständig und mache dieselbe Arbeit, nur mit weniger Tempo und Druck.“

Wirtschaft, Politik und Medien seien kommunzierende Gefäße, meinte Prock. „Es ist nur die Frage, wer mit wem wedelt.“ In Argentinien stünden Zensur, Manipulation und ungeheurer Einfluss durch Medienmonopole auf der Tagesordnung, erzählte Prock. Kritische Journalisten würden in Argentinien unter Druck gesetzt oder entlassen.

Seit einem Jahr Chefredakteur von ORF 2 ist der Tiroler Matthias Schrom. Er verwies darauf, „dass der ORF vor allem von der FPÖ zum Feindbild erklärt worden ist und man damit bei den eigenen Wählern punkten wollte und wohl auch konnte“. Kritischer Journalismus gehöre zu einer Demokratie. Prock und Schrom waren sich einig, dass Gefahr seitens der sozialen Netze drohe. „Dort passiert immer mehr Marketing und Inszenierung und immer weniger Inhalt“, meinte Prock. Auch in seiner Pension will der Ex-SPÖ-Chef in Argentinien bleiben. Nicht nur wegen der exzellenten Rindersteaks, scherzte er.