Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Medien

Konkurrenz in den Startlöchern: Der Streaming-Gigant Netflix taumelt

Netflix produziert auf Pump, wächst langsamer als erwartet, hat Schulden in Höhe von etwa 30 Milliarden Dollar — und bekommt bald viel Konkurrenz.

Staffel 3 der Gruselserie „Stranger Things“ mit Winona Ryder ging Anfang Juli online.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Netflix</span>

© Staffel 3 der Gruselserie „Stranger Things“ mit Winona Ryder ging Anfang Juli online.Foto: Netflix



Innsbruck – 40 Millionen Mal soll die Anfang Juli von Netflix online gestellte dritte Staffel von „Stranger Things“ bereits abgerufen worden sein. Und auch für die Komödie „Murder Mystery“ mit Adam Sandler vermeldete der US-Streamingdienst kürzlich Rekordzahlen. Netflix hat also Grund zum Jubeln? Mitnichten. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat das Unternehmen weniger Kunden dazugewonnen als kalkuliert. Weltweit wurden zwischen April und Ende Juni 2,7 Millionen neue Abos abgeschlossen. In den USA büßte Netflix sogar rund 130.000 Nutzer ein. Gerechnet hatte das Unternehmen mit etwa fünf Millionen Neuanmeldungen. Die Investoren reagierten auf die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen nervös: Im nachbörslichen Handel ließ die Netflix-Aktie zeitweise stark nach.

Ein Grund für die schwache Entwicklung sind die höheren Preise, die Netflix inzwischen für seinen Dienst verlangt. Die allerdings schlugen sich auch in Mehreinnahmen nieder. Das Unternehmen verzeichnete einen Gewinn von 270,7 Mio. Dollar (241,3 Mio. Euro).

Trotzdem: Ein wachsender Kundenstamm ist für Netflix überlebensnotwendig. Denn Netflix produziert auf Pump. Laut dem britischen Guardian hat das Unternehmen Schulden in Höhe von etwa 30 Milliarden Dollar (26 Mill. Euro). Gedeckt sind die letztlich nur durch das Versprechen auf künftige Gewinne dank globaler Marktführerschaft. Und die scheint bedroht.

Unterhaltungskonzern Disney und Tech-Gigant Apple starten in den nächsten Monaten ihre Streamingdienste. Mit prominenten Namen von Spielberg bis „Star Wars“ locken sie schon jetzt. Inzwischen hat auch Warner eine eigene Plattform angekündigt – mit dem unternehmenseigenen Sender HBO als Zugpferd. HBO, das heiß: High-End-Serien von den „Sopranos“ bis „Game of Thrones“. Dazu kommt klassischer Warner-Content von Batman bis Bugs Bunny.

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Die neue Konkurrenz trifft Netflix doppelt: Disney und Co. sind finanzstark – und sie verfügen bereits jetzt über begehrte Inhalte. Inhalte, die sie bislang auch und gerade via Netflix angeboten haben.

Damit ist künftig Schluss. Netflix verliert manche seiner Kronjuwelen. Die 90er-Jahre-Sitcom „Friends“, die in den USA zu den populärsten Netflix-Serien zählt, wandert zu HBO Max. Und „The Office“, die – laut Netflix – meistgestreamte Serie überhaupt, ist ab 2021 auf der noch namenlosen Plattform der Universal-Studios zu sehen. Auch deshalb setzt Netflix verstärkt auf exklusive Eigenproduktionen. Und gibt dafür Geld aus, das das Unternehmen genau genommen gar nicht hat. (jole)