Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Osttirol

Dorfzeitung bleibt der Renner in Osttiroler Gemeinden

Print gewinnt: In 25 Osttiroler Gemeinden erscheint aktuell eine eigene gedruckte Dorfzeitung, nur wenige setzten ausschließlich auf das Internet. Trotz der ähnlichen Inhalte gibt es etliche Besonderheiten.

Eine Auswahl der Gemeindezeitungen von Prägraten, Assling, Außervillgraten, Lienz, Tristach, Kals und Iselsberg-Stronach. Nur acht von 33 Osttiroler Gemeinden haben (noch) keine eigene Zeitung.

© OblasserEine Auswahl der Gemeindezeitungen von Prägraten, Assling, Außervillgraten, Lienz, Tristach, Kals und Iselsberg-Stronach. Nur acht von 33 Osttiroler Gemeinden haben (noch) keine eigene Zeitung.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Sie heißen Rund ums Dorf, Gemeindekurier, Dorfzeitung oder s’Blattl: In den meisten Osttiroler Gemeinden erscheint in regelmäßigen Abständen eine Zeitung, die einen Überblick über das Dorfleben der letzten Monate gibt. Geburten, Todesfälle, Schützenfeste, Gütesiegel und Ehrungen finden sich darin genauso wie das Krippenspiel der Volksschulkinder, die Termine der nächsten Sperrmüllabholung oder der Sprechtag des Bezirksgerichts.

Trotz Internet wollen die Bürgermeister auch in Zukunft nicht darauf verzichten. „Viele ältere Leute kennen sich mit Computern nicht so gut aus“, begründet Oswald Kuenz, Bürgermeister von Lavant. Deshalb wird es die Lauentna Dorfzeitung auch weiterhin geben. Der Name leitet sich vom Dialektausdruck für Lavant ab. Die Dorfzeitung gibt es überdies noch als Dokument auf der Lavanter Homepage zu lesen. So handhaben es auch die anderen Gemeinden mit ihren Zeitungen.

Ein zweiter Grund für die Liebe zum gedruckten Wort ist die Nachfrage von auswärtigen Gemeindebürgern. „Pro Ausgabe versenden wir 100 bis 120 Exemplare an Lavanter, die in andere Gemeinden oder andere Bundesländer übersiedelt sind“, erzählt Oswald Kuenz. „Stammgäste lassen sich die Dorfzeitung ebenfalls gerne zuschicken.“ Auch das ist in den meisten anderen Osttiroler Gemeinden gleich.

Acht Kommunen müssen oder wollen ohne eigene Zeitung auskommen. „Bei uns gibt es einen Jahresrückblick in gedruckter Form“, erklärt der St. Jakober Amtsleiter Hannes Erlsbacher. „Ansonsten bieten wir die Informationen über unsere Homepage an und über das DefNet, das ist ein eigener TV-Kabelkanal.“ In der Nachbargemeinde St. Veit trauert man hingegen den St. Veiter Zeilen nach, die zuletzt 2017 erschienen sind. „Unser Mann für die Zeitung ist weggezogen“, schildert Bürgermeister Vitus Monitzer. „Wir bemühen uns seither, die St. Veiter Zeilen wieder in Gang zu bringen.“

Anras, Strassen und Abfaltersbach verweisen auf die jeweiligen Homepages der Gemeinde, wenn es um Informationen geht, auch Untertilliach wird es so handhaben. In Matrei gibt es Amtsblätter zu bestimmten Anlässen, aber keine Zeitung, erklärt Amtsleiter Georg Ranacher. Die Nikolsdorfer hingegen basteln an einem Dorfblatt, das im Winter erstmals erscheinen soll. „Es wird eine Minimalvariante, als Ergänzung zu unserem Internet-Auftritt“, sagt Bürgermeister Georg Rainer. Auch er nennt als Grund die Vorliebe der meisten älteren Gemeindebürger für Gedrucktes.

Die älteste Zeitung im Bezirk ist Die Achse aus Assling. Seit 41 Jahren gibt es sie, und seit über 30 Jahren ist Sepp Wurzer federführend daran beteiligt. „Die Achse erscheint sechsmal pro Jahr in einer Auflage von 1100 Stück“, berichtet Wurzer. An der Herstellungstechnik hat sich in den letzten Jahrzehnten viel geändert, andere Dinge sind gleich geblieben: „Wir bekommen Beiträge mit Text und Bild von Vereinen, der Pfarre, Schule und Kindergarten und so weiter zugeschickt. Da sind alle sehr verlässlich.“ Besonders beliebt ist eine Serie über die Geschichte der einzelnen Bauernhöfe und ihrer Bewohner in Assling. „Einer unserer Mitarbeiter hat schon über 130 Folgen verfasst und damit die Mehrzahl aller Höfe abgedeckt“, erzählt der Schriftleiter. Neben dem Thema Ahnenforschung und Familiengeschichte ist auch die Gesundheitsrubrik gefragt. „Unser ehemaliger Arzt, der nun in Pension ist, behandelt in jeder Ausgabe ein spezielles Thema“, so Wurzer.

Die dickste – manche sagen auch, die schönste – Gemeindezeitung ist der Kalser Fodn. Mit 88 bis 92 Seiten hat er Magazinqualität. „Der Name steht für den roten Faden, der sich durchs ganze Dorf zieht“, erklärt Schriftleiter Michael Linder. „Die Zeitung ist ein Selbstläufer geworden. Es tut sich viel in Kals und wir bekommen entsprechend viel Material, weil die Leute wissen, dass Texte und Bilder auch veröffentlicht werden.“ Gedrucktes ist für Linder wertvoll. „Es ist nicht so schnelllebig wie das Internet. Und man kann es gemütlich beim Frühstück lesen.“

Letzte Gemeinde geht online

Unter 33 Osttiroler Gemeinden war Untertilliach die einzige, die keine eigene Homepage hatte. Bis jetzt: Seit Kurzem ist www.untertilliach.at online gegangen, vorerst in einer Sparversion, sagt der Untertilliacher Bürgermeister Manfred Lanzinger. „Wir wollen nach und nach immer mehr Inhalte auch online verfügbar machen." Eine eigene Gemeindezeitung hat Untertilliach seit Jahren nicht mehr, und dabei wird es wohl auch bleiben. „Es wäre viel Aufwand, und die meisten Untertilliacher haben schon mehrere Ehrenämter", so Lanzinger. Die Homepage soll die Informations-Funktion erfüllen. (co)