Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.08.2015


Musik

Das frische Cesti-Stimmmaterial

Überraschungen und Entdeckungen beim Cesti-Wettbewerb der Festwochen. 2017 kommt eine Keiser-Oper.

© Emma Sinn



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Es war der bereits sechste internationale Gesangswettbewerb für Barock­oper Pietro Antonio Cesti, der in den letzten Tagen über die Bühne des Konservatoriumssaales ging und für Spannung und bei der Preisverleihung Dienstag Nacht für Überraschungen sorgte. Die 29-jährige französische Altistin Anthea Pichanick wurde von der Jury zur Siegerin gekürt und erhielt den mit 4000 Euro dotierten 1. Preis. Sie wurde auch mit einem Konzertauftritt beim Wiener Alte-Musik-Festival „Resonanzen“ ausgezeichnet.

Der 2. Preis (3000 Euro) ging an den 28-jährigen Countertenor Konstantin Derri aus der Ukraine, der 3. Preis (2000 Euro) an die 23-jährige italienische Sopranistin Alice Rossi. Die Stimmenmehrheit aus dem Publikum erhielt ebenfalls eine italienische Sopranistin, die 28-jährige Arianna Venditelli (1000 Euro).

Die 29-jährige Französin Anthea Pichanick ging als Siegerin aus dem 6. internationalen Cesti-Wettbewerb der Innsbrucker Festwochen hervor. Foto: Emma Sinn
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Mit den Cesti-Sonderpreisen verbunden sind begehrte Engagements. Der 27-jährige italienische Bassbariton Matteo Loi, eine der herausragenden Entdeckungen, gewann zwei Einladungen: für eine Opernproduktion am Theater an der Wien und für ein Konzert des Festivals „Winter in Schwetzingen“. Ein Auftritt bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci wird später vergeben.

Natürlich geht es auch um die Mitwirkung bei der nächstjährigen Produktion der Innsbrucker Barockoper:Jung. Arien daraus bilden üblicherweise das Pflichtprogramm, heuer aus der kürzlich Cesti zuerkannten komischen Oper „Le nozze in sogno“. Die Kostproben daraus, die man nun hören durfte, ergaben durch die langjährige Innsbrucker Erfahrung mit der frühen venezianischen Oper erste Rollenzuordnungen und deutliche musikalische Parallelen zu vergangenen Festwochen-Aufführungen. Wer nach dem Tod von Alan Curtis, der die Aufführung des Werkes begonnen hatte vorzubereiten, die musikalische Leitung 2016 übernehmen wird, ist noch nicht endgültig entschieden.

Dafür gab Festwochen-Chef und Wettbewerbs-Initiator Alessandro Di Marchi bereits die Barockoper:Jung-Oper für 2017 bekannt: „Octavia“ von Reinhard Keiser, 1705 in Hamburg uraufgeführt.

Frisches Stimmmaterial auf hohem Niveau gab es beim Cesti-Bewerb 2015 und die Überraschung, dass mit der bemerkenswerten Leistung der Altistin Anthea Pichanick ein Stimmfach siegte, das selten geworden ist und bei Wettbewerben kaum zum Zug kommt. Das große Feld der Teilnehmer, erläuterte Jury-Vorsitzender Sebastian Schwarz, lag leistungsmäßig nah beisammen: „Das hohe Niveau war auf wesentlich mehr Sängerinnen und Sänger ausgebreitet als etwa im vergangenen Jahr.“

Die Fachverteilung der elf Finalisten, neun davon zwischen 26 und 29 Jahre alt: drei Soprane, drei Mezzosoprane, ein Alt, ein Tenor, zwei Countertenöre und ein Baßbariton. Sie alle haben schon Bühnenerfahrung und sind keineswegs nur Spezialisten für die historische Aufführungspraxis, sondern stilistisch auffallend vielseitig eingesetzt.

Alice Rossi (3. Preis) und Konstantin Derri (2. Preis) beim Cesti-Finale. Fotos: Hadringer, Tegischer
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