Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.12.2015


Musik

Kunst und sinnliche Verspieltheit

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© Hauser



Innsbruck – Für jene, die nicht an der unheilbaren Sehnsucht leiden, Alte Musik ausschließlich auf historischen Instrumenten hören zu müssen, war das Kammerkonzert mit dem US-Pianisten Kit Armstrong eine Offenbarung in Sachen Anschlagtechnik und Klangfarbenmalerei. Dass Armstrong nichts von vordergründiger Tastenakrobatik hält, zeigte sich schon am ungewöhnlichen Programm: William Byrds „Hughe Ashtons Grownde“, Jan Pieterszoon Sweelincks Variationen über „Mein junges Leben hat ein End“, John Bulls 30 Variationen zum Thema „Walsingham“ (Volkslied aus dem 12. Jahrhundert und katholisches Protestlied) sowie Bachs „Goldberg-Variationen“.

Die imitatorisch-polyphone Strukturen, die weitgespannten melodischen Bögen kamen mit enormer Klangschönheit zur Geltung – sieht man einmal vom armseligen Zustand des Steinways ab. Armstrongs Spiel, präzise, von leiser Eleganz und innerer Heiterkeit, fügte den wundersamen Stimmungsreigen aus Leichtigkeit, Volksmelodik und beseelter Intimität zusammen.

Die „Goldberg-Variationen“ präsentierte er mit leuchtendem Ton und empfindsamem Fluss. Großzügig mit viel Rubato, behutsam Gesanglichem nachsinnend, nie manieriert. Hinter dem analytisch-kernigen Anschlag steckte auch das sinnlich empfindsam Geniale, das seine Freude an der Mischung aus Kunst und Verspieltheit zum Ausdruck bringt. Als Zugabe: eine wie Jazz anmutende Brücke von über William Byrd zu Thomas Prestons „La Mi Re“ geschlagen – und restlos begeistert. (hau)