Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.12.2015


Innsbruck

Mit einfühlsamer Liebe zur Musik



Innsbruck – Alle Universitäten müssen sich heute dem internationalen Vergleich stellen. Bei einem Ranking der Hochschul­orchester dürfte Innsbruck derzeit kaum zu überbieten sein: Jedes Konzert des Universitätsorchesters Innsbruck verblüfft mit ungeahnter Qualität, die Dirigent Claudio Büchler durch fordernde Programmgestaltung, hingebungsvolle Probenarbeit und spürbarer Liebe zur Musik bei den Laien­musikern hervorbringt. Die Universität erfüllt mit der Pflege dieses hochmotivierten Klangkörpers überdies einen ganz wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: Die Konzerte bringen die Hochkultur einem großen Kreis an jungem Publikum nahe, der sonst kaum mit Klassik in Berührung käme. Als Benefizkonzert des Round Tabl­e 18 wurde zudem soziales Engagement gezeigt.

Neben Franz Schuberts Bühnenmusiken sowie Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 8 stand auch eine Uraufführung auf dem Programm: Franz Baur vertonte Robert Gernhardt-Lieder für Altus und Orchester. Der Tiroler Komponist wählte aus dem bedeutenden lyrischen Werk des deutschen Satirikers, Schriftstellers, Zeichners und Malers fünf Gedichte aus. Die Texte behandeln mit spitzer Feder die Scharlatanerie in der zeitgenössischen Kunst. Baurs Vertonung wirkte wie ein geschlossener Liederkreis und als subtile Metapher: als würde die auf Literatur und Bildende Kunst gerichtete Satire auf die Musik übertragen und dadurch die Ironie auf die Geräuschhaftigkeit und Klangsysteme der Neuen Musik gemünzt.

Baur brachte eindrücklich Form und Inhalt zusammen, wobei er an die Tradition der Tondichtung und des Melodrams im Expressionismus anschloss. Bewunderungswürdig führte Dirigent Claudio Büchler durch die schwere Partitur. Ein weiterer Lichtblick war ein exquisiter Bernhard Landauer, Altus, der nicht nur gesanglich mit Tonschönheit, -fülle und -färbigkeit sowie Witz überzeugte, sondern auch schauspielerisch.

Auch bei Schubert und Dvorák zeigte das Universitätsorchester Büchlers Stärken: beseeltes Musizieren, überragende Tonbalance, dramaturgisch stimmiger Spannungsaufbau und vorzüg- liche Phrasierungen. Die Solisten hatten viel Raum, ihre Musikalität zu entfalten. (ber)