Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.12.2015


Tirol

Mit Parov Stelar wippend durch Nostalgistan

Electroswing in großer Analog-Besetzung: Die Parov Stelar Band in der Olympiahalle.

DJ und Produzent Marcus Füreder hat mit seiner „Parov Stelar Band“ Hunderte Live-Konzerte gespielt. Jetzt war er auch in Innsbruck zu Gast.

© Universal MusicDJ und Produzent Marcus Füreder hat mit seiner „Parov Stelar Band“ Hunderte Live-Konzerte gespielt. Jetzt war er auch in Innsbruck zu Gast.



Innsbruck – Auf internationalem Parkett scheint derzeit keine Halle zu groß für den Linzer DJ und Produzenten Marcus Füreder zu sein, gerade hat er zwei ausverkaufte Konzerte im namhaften Playstation Theater am New Yorker Broadway absolviert, der Festivalsommer war auch höchst arbeitsreich. Den Abschluss dieses Tournee-Jahres bestritt der Mann, der unter dem Pseudo­nym „Parov Stelar“ werkt und sich als solcher den guten Ruf des Electroswing-Pioniers redlich erarbeitet hat, am Samstag in der Olympiahalle.

Die ist mit rund 3500 großteils tanzwilligen Fans gut gefüllt, aber längst nicht ausverkauft – daheim ist’s trotzdem am schönsten, wird von der Bühne herunter mehrfach versichert. Immerhin kann man hier endlich wieder einmal auf Deutsch ins Publikum hineinanimieren: „Seid’s ihr readäää?“, lautet die (rhetorische) Frage von Sängerin Cleo Panther. Da hat sich das Publikum ohnehin schon längst in ein unter konstanten Rhythmus-Injektionen auf und ab wippendes Meer verwandelt: Parov Stelar steht für eine in die Kniegelenke gehende, eklektizistische Mischung aus Retro-Klang und Electro-Beats, aus der Ferne grüßen nicht nur Visuals, in denen Tänzerinnen der Goldenen Zwanzigerjahre am Charleston zugange sind, man swingt sich auch lebensfroh durch die 30er-, 40er- und 50er-Jahre, zelebriert den Big-Band-Sound und nimmt gerne ein paar Latin-Jazz-Anleihen, wofür Chanteuse Panther sich in eine Art Edel-Mariachi-Kostüm geworfen hat. Mit dieser in ein Electro- und Downbeat-Gewand gesteckten Mischung also ist Parov Stelar seit geraumer Zeit überaus erfolgreich unterwegs – wozu auch die erstklassige Band ihren Beitrag leistet, in der Saxophon und Trompete gern das Kommando übernehmen. Darüber thront Füreder auf seinem DJ-Turm und reitet die Nostalgie-Welle zwischendurch auch mit Erinnerungen an Zeiten, in denen er – lang, lang ist’s her – noch als DJ im Innsbrucker Blue Chip zu Gast war.

„All Night“, sehr retro, sehr tanzbar, aus dem Album „The Princess“ von 2012 erfreut sich auch in Innsbruck besonderer Beliebtheit, promoted wird aber vor allem auch das aktuelle Album „The Demon Diaries“. Wobei auffällt: Während der auf Tonträger gebannte Sound des Swing-Archäologen trotz der für ihn typischen Motiv-Wiederholungen durchaus auch Differenzierteres zu bieten hat, verschwimmt in der Live-Version letztlich irgendwie alles zu einem einzigen Song. Der im Laufe so eines Konzertabends allmählich ein wenig an Reiz verliert. Nach nur 90 Minuten ist dann auch ohne Murren Schluss. (jel)


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