Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.04.2016


Tirol

Keine Liebesgrüße nach Moskau: Musikobmann tritt nach Streit zurück

Unstimmigkeiten über Russland-Gastspiel lösen Wirbel bei der Kaiserjägermusik aus.

© Die Kaiserjägermusik unter Kapellmeister Prof. Hannes Apfolterer bei einem Konzert in der Hofburg.Foto: Murauer



Von Mario Zenhäusern

Innsbruck – Am Beginn der Disharmonie im traditionsreichen Klangkörper stand eine ehrenvolle Einladung: Die Orig. Tiroler Kaiserjägermusik vertritt Österreich und Tirol vom 27. August bis zum 4. September 2016 beim weltberühmten „International Military Music Festival Spasskaya Tower 2016“ in Moskau. Die Einladung kommt nicht von ungefähr, verstehen sich die Kaiserjäger nach der Kapputtschrumpfung der Militärmusik und angesichts ihres eigenen militärischen Hintergrundes doch als musikalisches Aushängeschild des Landes. Eingefädelt hat das Russland-Gastspiel Kapellmeister Prof. Hannes Apfolterer, der auch als Militärkapellmeister über Tirol hinaus Anerkennung genießt.

Die Möglichkeit, in Russland gute Stimmung für Tirol zu machen, sollte nicht ungenützt verstreichen. Über Initiative von KR Pepi Kantner, Obmann der Kaiserjägermusik, plante das Land Tirol einen offiziellen Besuch in Moskau, an dem nicht nur die Regierungsmitglieder, sondern auch der russische Konsul in Tirol, Gen.-Dir. Hans Unterdorfer (Sparkasse), Vertreter der russischen Botschaft in Österreich, Vertreter der größten heimischen Wirtschafts- und Tourismusbetriebe sowie die Tirol Werbung teilnehmen sollten.

Dieser Tirol-Tag sollte am 5. September stattfinden, die Kaiserjäger hätten ihren Aufenthalt in Russland also um einen Tag verlängern müssen. Genau daran scheitert das Projekt jetzt: Mit 11:2-Stimmen lehnte der Ausschuss der Kaiserjägermusik den Zusatztag in Moskau ab.

Die Begründung für das kategorische Njet der Musikanten – für den Tirol-Tag stimmten lediglich Kantner und sein Stellvertreter – hatte Apfolterer zuvor in einer dreiseitigen Aktennotiz niedergeschrieben. Kernbotschaft: Bei der Veranstaltung handle es sich um ein Militärmusik-Festival, das bis ins kleinste Detail straff organisiert sei. Allein die Idee seitens des Landes, am Abreisetag sämtlicher teilnehmender Musikformationen ein Zusatzkonzert zu organisieren und dafür noch mit Extrawünschen an die Veranstalter heranzutreten, sei „ein Affront dem offiziellen Russland gegenüber“. Die Kaiserjägermusik sei „keine Trachtenkapelle, die man nach Belieben zur Begleitung eines Vereinsausflugs zwangsbeglückt!“, heißt es in Apfolterers Aktennotiz: „Und ich bin keine Schachfigur, über die man verfügt und sie nach Gutdünken platziert.“

Nachdem er zuvor LH Günther Platter als Schirmherrn der Kaiserjägermusik sowie die Tirol-Tag-Partner von der Absage informiert hatte, zog Pepi Kantner am Montagabend die Konsequenzen: Er legte mit sofortiger Wirkung seine Funktion als Obmann der Original Tiroler Kaiserjägermusik zurück. „Die Verweigerung durch Kapellmeister und die Mehrheit des Ausschusses, der von mir gewünschten Verlängerung der für Spätsommer 2016 geplanten Moskaureise anlässlich eines Militärmusikfestivals um einen Tag zuzustimmen, veranlasste mich zu diesem Entschluss“, erklärte er in einer kurzen Ansprache. Diese Absage stehe „im klaren Widerspruch zu meiner Meinung, dass die Original Tiroler Kaiserjägermusik primär für unsere Heimat Tirol und als Botschafter unser Landes aufzutreten hat“.