Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.07.2016


Open Air

Die Schönwettergöttin

mit der göttlichen Stimme

Elina Garanca ist einmal mehr Botschafterin für Sommer, Sonne und Leidenschaft beim Klassik-Open-Air in Kitzbühel.

Mit Leib und Seele bei der Sache: Joyce El-Khoury, Elina Garanca und Fabio Maria Capitanucci (v. l.).

© Markus HauserMit Leib und Seele bei der Sache: Joyce El-Khoury, Elina Garanca und Fabio Maria Capitanucci (v. l.).



Von Markus Hauser

Kitzbühel – Was die lettische Mezzosopranistin Elina Garancˇa für ihr Open-Air-Konzert „Klassik in den Alpen“ zum Besten gibt, oder ob sie etwas zum ersten Mal singt, das spielt keine Rolle. Man hängt mit offenem Mund an ihren Lippen. Zur Schönwettergöttin geadelt, wandelte die Sonnenbringerin den lauen Sommerabend zur heißen Nacht der Leidenschaft. Die Leidenschaft in all ihren Facetten, die schien auch der von Garancˇa geladenen Joyce El-Khoury und Fabio Capitanucci im Blut zu liegen. Der italienische Tenor Capitanucci, Stammgast an der Mailänder Scala, ist ebenso auf den Bühnen der Welt zuhause wie die libanesisch-kanadische Sopranistin El-Khoury. Wohin es an diesem Abend gehen sollte, die umwerfend energiegeladen interpretierte Ouvertüre aus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ wies den Weg in Richtung ungezügelte Leidenschaft.

Das Symphonieorchester der Wiener Volksoper unter der Leitung von Karel Mark Chichon erlebte man vom ersten Takt an in Bestform. Liebe, die Leiden schafft, gibt es auch in Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“. „Ecco, respiro appena, Io son l’umile ancella“ und eine Garanca, die ganz ohne Bühnenbild ergreifende Bilder schafft. Giuseppe Verdi, Falstaff, und mit „È sogno? O realtà?“ hat Fabio Capitanucci seinen ersten Auftritt. So maskulin und betörend klingt es, wenn ein Tenor den Helden heraushängen lässt. Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“ bringt alle drei Sänger auf die Bühne. Mit dem Blumenduett hört man bunteste vokale Blüten gestreut.

Sie hat alles, Gaetano Donizettis Oper „La Favorite“, Frauen mit schönen Brüsten, die sich Männern mit breiten Brüsten an die Brust werfen, Liebe, Kloster, Eifersucht, Tod, Reue – und Garanca mit Capitanucci. Warmer Glanz, ein Mezzo nahe am hochdramatischen Sopran, strahlende Kraft der Tenor, Opernherz, was willst du mehr. Joyce El-Khourys Stimme ist zwar (noch) nicht da, wo Garancˇas ist. In „Mercé, dilette amiche“ aus „I Vespri Siciliani“ von G. Verdi erfasst sie Melodiebögen mit einer Sensibilität, die sie jede emotionale Regung subtil erfassen lässt und die die Alarmanlage eines Autos zum Mitsingen bringt.

„O don fatale, o don crudel“, aus Verdis Don Carlo, Garancas bewegend schöne Kantilenen, folgt Camille Saint-Saëns „Bacchanale“ aus Samson et Dalila: den spätromantischen Farbenreichtum, die klassizistische Klarheit, die lyrischen Ruhepunkte explizit getroffen.

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Zum Abschluss ans Mittelmeer. „Marechiare“, „Musica Proibita“, „O sole mio“, „El Gato Montés“, „Granada“ – so aufregend schön wie zum ersten Mal das Meer gesehen.