Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.10.2016


Osttirol

Leisacher mischt musikalisch ganz vorne mit

Hannes Oberwalder aus Leisach machte in Wien Karriere. Er stand schon mit Rainhard Fendrich auf der Bühne.

© UnterwegerHannes Oberwalder an seinem Mischpult im Wiener Studio.Foto: Unterweger



Leisach – In der österreichischen Musikszene ist ein Osttiroler prominent vertreten: Hannes Oberwalder ist Musiker, Produzent, Komponist, Arrangeur, Aufnahmeleiter. Er betreibt ein Tonstudio und die Produktionsfirma „Tom Ton“ in Wien und ist geschätzter Musiker bei Studioaufnahmen und Liveauftritten. Und gefragter Musikpädagoge.

Hannes Oberwalder stammt aus Leisach. Nach der Matura im Jahr 1985 in Lienz studierte er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien klassisches Klavier. Seiner Leidenschaft für Jazz, Pop, Heavy Metal und Songwriting folgend, tigerte er sich daneben in zwei weitere Studien am Konservatorium der Stadt Wien: Jazzklavier sowie Komposition und Arrangement. Zum Drüberstreuen absolvierte er noch ein Schlagwerkstudium und beschäftigte sich eingehend mit der Jazzgitarre.

Schon während seiner Studien konnte Hannes Oberwalder von seinen Einkünften als Musiker leben. Mit verschiedenen Bands tingelte er durch die halbe Welt: Konzertauftritte führten ihn nach London, Paris, Peking, Florenz, Amsterdam, Berlin und Jakarta. Gigs ließen ihn bis Dubai und Oman reisen.

Mit 27 Jahren kaufte sich Oberwalder ein Tonstudio und startete seine Laufbahn als Musikproduzent. Mit Christian Kolonovits arbeitete er an Projekten. „Oft 17 Stunden am Tag“, erinnert sich der Leisacher. Weitere Aufträge erledigte er bei Peter-Weck-Filmen, STS-Produktionen oder „Christmas in Vienna“. Dann kam der Anruf von Rainhard Fendrich – 14 Tage später stand er mit dem Austropopper auf der Bühne. Sechs Jahre war er ständiges Mitglied der Fendrich-Band.

Die Referenzliste des 49-Jährigen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Musikszene. Mit Ludwig Hirsch spielte er CDs ein. Als Keyboarder begleitete er Uwe Kröger, Pia Douwes oder Bill Ramsey bei Konzerten. Er spielte mit der Richard-Österreicher-Band und den Seern. Auf internationale Tournee ging es mit der Sängerin Gloria Gaynor. Lieder wie „I will survive“ oder „I am what I am“ spielte Oberwalder mit der weltbekannten Künstlerin auf Bühnen in Casablanca, Istanbul oder Abu Dhab­i. Gemeinsam mit Placido Doming­o oder José Feliciano stand der Osttiroler vor dem Publikum.

Dazwischen erledigt er die Arbeit im eigenen Studio: Er nimmt Sänger wie Andy Baum oder Sängerinnen wie Sandra Pires und Anita Horn auf. Außerdem werkt Oberwalder als Aufnahmeleiter für den ORF. Oder komponiert Filmmusik für den Tatort, die Serie „Cabaret“ und produziert Werbejingles, zum Beispiel für UPC Telekabel, Leiner, Kenwood und Alvorada. Manchmal ergeben sich auch Aufträge, die sich stante pede erledigen lassen. „Für die Austrian Airlines komponierte ich ein neues Audio-Logo in fünf Minuten“, lacht Oberwalder.

Der Leisacher beherrscht alle musikalischen Stilrichtungen, aber seine Leidenschaft ist der Jazz. Bei Erinnerungen an Abende in Jazzclubs in den USA gerät er ins Schwärmen: „Da war so eine Energie! Dort habe ich den faszinierendsten Jazz gehört“, schildert Oberwalder.

In Wien fühlt sich der Osttiroler, Vater zweier Söhne, wohl. Die Szene sei überschaubar, meint er: „Hier kennt jeder jeden!“ In der Bundeshauptstadt wird Hannes Oberwalder gleichermaßen geschätzt: als Musiker und Musikproduzent.

Sein Studio in zentraler Lage in Wien Margareten ist durch einen atmosphärischen Innenhof zu erreichen. Über eine alte Steinstiege geht es in den zweiten Stock. Im Gegensatz zu manch muffigem Kellerstudio präsentieren sich die Produktionsräume von „Tom Ton“ lichtdurchflutet. Eine Stehbar im Eingangsbereich vermittelt Gemütlichkeit. Der Regieraum ist mit technischem Equipment üppig bestückt: ein riesiges, mit unzählige­n Tasten und Reglern ausgestattete­s Mischpul­t, voluminös­e Lautsprecherboxen, eine Unmeng­e von Kabeln, säuberlic­h geordnet, und ein­e Vielzahl von Mikrophonen prägen den Bereich.

In der Mitte des Aufnahmeraums steht ein großer schwarzer Flügel. Oberwalder greift in die Tasten, um den exzellenten Klang des edlen Instruments zu demonstrieren. Und was kommt heraus? Natürlich Jazz! (punt)