Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.11.2016


Elina Garanca

Heldinnen der Oper und ein bisschen Märchenwelt

Auf ihrer neuen CD huldigt Opernstar Elina Garanˇca den starken Frauen, das Klassik-Open-Air in Kitzbühel bringt die Lettin zum Schwärmen.

„Klassik in den Alpen“ in Kitzbühel mit Mezzosopranistin Elina Garanˇˇca findet zum fünften Mal statt. Zum Jubiläum gibt’s besondere Gäste.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Georges Schneider</span>

© photonews.at/Georges Schneider„Klassik in den Alpen“ in Kitzbühel mit Mezzosopranistin Elina Garanˇˇca findet zum fünften Mal statt. Zum Jubiläum gibt’s besondere Gäste.Foto: Georges Schneider



Von Cornelia Ritzer

Wien – Spricht man über Elina Garanˇca, fällt bald der Begriff „Weltstar“. So wird die Mezzosopranistin, die beruflich auf den Opernbühnen zwischen New York und Wien und privat im heimatlichen Lettland sowie Spanien zuhause ist, beschrieben. In Wien bewarb sie ihre neue CD und die Galakonzerte in Kitzbühel und Stift Göttweig im nächsten Jahr. Passenderweise kam die Sängerin mit dem Flieger aus München, wo am Vorabend eine Aufführung auf dem Programm stand. „Für uns Künstler ist der Begriff Star schwer zu verstehen, denn wir betrachten uns nicht als solche“, zeigt sich die 40-Jährige im TT-Gespräch bodenständig. Klar, sie gehöre zu „einer gewissen Elite aus Hunderttausenden von Sängern“, aber ein „Weltstar der Hollywood-Klasse“ sei sie „natürlich nicht“.

Doch viel lieber als über Schubladen spricht die Mezzosopranistin über ihre Kunst. Und die übt sie mit viel Disziplin aus. Egal, ob sie an einer Vorstellung oder einer CD arbeitet, die Vorbereitungen beginnen früh. „Bei einer neuen Partie starte ich ein Jahr vorher. Ich singe die Arien und Duette, arbeite mit meinem Coach und Sprachlehrer. Nach sechs Wochen Probezeit ist die Premiere“, erklärt Garanˇca den Ablauf für ein Bühnenstück. Auch für eine CD nimmt sie sich so lange Zeit, wählt sorgfältig aus. „Ich schaue in mich hinein und fühle, welche Musik ich gerne aufnehmen würde.“ Herausgekommen ist das aktuelle Werk „Revive“, in dem Garanˇca starke Opernheldinnen versammelt und interpretiert. Ein breit gefächertes Repertoire aus Arien aus Mascagnis „Cavalleria rusticana“ über Leoncavallos „La Bohème“ bis hin zu Mussorgskis „Boris Godunow“. Es sind „dramatische Powerfrauen, die in gewissen Situationen ihre Balance verloren haben und die es schaffen, weiterzumachen“, skizziert Garanˇca die Figuren. Und sie erzählt dabei Persönliches. „Ich habe festgestellt, dass meine CDs quasi ein persönliches Tagebuch sind.“ Ob der Kauf des Hauses in Spanien, die Geburten der Töchter oder die schwere Krankheit der Mutter – parallel zu diesen Einschnitten entstand ein Tonträger.

Der Titel „Revive“ („wiederauferstanden“) darf dabei durchaus wörtlich genommen werden. „Meine Mutter ist gestorben, ich bin eine Frau mit zwei Kindern und einer Karriere und bin 40 geworden. Das neue Repertoire schlägt ein neues Kapitel für mich auf.“ Und ja, sie fühle sich wie „wiederauferstanden“. Dazu gehöre auch die Fähigkeit, das Leben zu genießen. „Ich habe festgestellt, dass ich mir mehr Zeit für mich nehme und mich dafür nicht mehr schuldig fühle. Ich kann sagen, dass ich mein Leben bestimmen kann.“ Dazu gehöre auch die künstlerische Entwicklung, denn die Stimme habe sich im Laufe der Zeit natürlich verändert. Veränderungen, die positiv seien. Garanˇca: „Jetzt kommen die Partien, von denen ich als Studentin oder als junge Künstlerin geträumt habe. Die stehen jetzt ganz nah vor mir, ich darf sie umarmen und zum Zuschauer transportieren.“ Ihr persönlicher Mount Everest steht dann in der Spielzeit 2019/2020 auf dem Programm. Dann wird sie die Amneris in der Oper „Aida“ singen. Die Vorfreude ist spürbar, Garanˇca schwärmt: „Wenn ich das auf der Bühne singe, werde ich sagen können, ich habe mein Sängerinnen-Leben erfüllt.“

Groß ist die Vorfreude der Künstlerin auch auf das Galakonzert „Klassik in den Alpen“, das am 8. Juli in Kitzbühel – ein „Zauberort“, wie sie schwärmte – zum fünften Mal stattfindet. Darauf, auf die Aufmerksamkeit für klassische Musik und die einzigartigen Events, sei sie „wahnsinnig stolz“, erzählt sie. Die Open-Air-Konzerte seien auch für die Sänger und Musiker auf der Bühne ein fantastisches Ereignis, erzählt Garanˇca. „Wir sehen von der Bühne in diese glücklichen Augen und sehen, dass die Leute das genießen.“ Schade sei nur, dass das Publikum mit dem Rücken zur tollen Kulisse sitze. „Wir sehen die Berge, das Publikum, die flackernden Kerzenlichter: In dem Moment ist es wirklich eine Märchenwelt.“

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