Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.12.2016


Elina Garanca

Faszinierend in neuen Rollen

In ihren Auftritten und auf der neuen CD „Revive“ vollzieht Elina Garanca den Fachwechsel — und fasziniert.

Elina Garancas Mezzosopran ist fülliger und dunkler geworden, wie auf ihrer neuen CD „Revive“ zu hören ist.

© APA/GEORG HOCHMUTHElina Garancas Mezzosopran ist fülliger und dunkler geworden, wie auf ihrer neuen CD „Revive“ zu hören ist.



Innsbruck – Dass ihre Stimme reift, zeichnete sich bei Elina Garanca naturgemäß schon länger ab. Nun ist ihr Mezzosopran fülliger und dunkler mit der Fähigkeit zu dramatischer Gestaltung. In ihren Auftritten und auf der neuen CD „Revive“ vollzieht sie den Fachwechsel – und fasziniert. Ausprobiert hat sie neue Rollen schon in einzelnen Arien bei ihren Live-Konzerten, jährlich auch in Kitzbühel. Nun ist sie ganz da, die neue Garanca.

2015 sang sie die Santuzza in Mascagnis „Cavalleria rusticana“ in Mailand, gerade war sie damit in Paris, und mit der Arie der Santuzza beginnt die „Revive“-CD. Da wird nicht nur die Tonfolge abgeliefert, sondern mit emotionalem Inhaltsbezug eine Figur belebt, aber doch auch in jener feinen Art und kunstvollen Farbmischung, die Garancas Singen auszeichnet. Sie bietet in den 14 Nummern nicht nur die Reißer, sondern auch andere prachtvolle Soli aus den gewählten Rollen und macht mit selten gehörter Musik bekannt, aus der „Bohème“ von Leoncavallo und „Henry VIII“ von Saint-Saens. Garancas unnachahmliche Eleganz und Geschmeidigkeit prägen besonders Cileas „Adriana Lecouvreur“ – da singt sie Adrianas „Io son l’umile ancella“ und die Arie der Principessa di Bouillon –, dasselbe gilt für Massenets Hérodiade“ und Berlioz’ Dido. Das französische Repertoire ist ihres.

Mussorgskys Marina klingt edel, aber stilistisch trotz der russischen Sprache etwas fremd. Hinreißend dagegen in den Farbmischungen und der Lyrik, die sie sich bewahrt hat, Thomas’ Mignon. Vielleicht, um das luxuriöse, volle, makellose Strömen zu durchbrechen, die Natur, Poesie und Verführung pur, wie sie auch Ebolis „Nel giardin del bello“ aus „Don Carlos“ spiegeln, setzt Elina Garanca Verdis kriegerisches „Rataplan“ aus der „Macht des Schicksals“ zwischen die Arien. (u.st.)