Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.01.2017


Götzener Mozart

Tiroler Geschichte, musikalisch betrachtet

Ein Symposium, Konzerte und neue CD-Produktionen bringt das musikmuseum 2017.

© TLMLehrer, Organist, Kapellmeister und Freiheitskämpfer 1809: Josef Abenthung aus Götzens (1779-1860).



Innsbruck – „Götzener Mozart“ wurde Josef Abenthung (1779–1860) von seinen Zeitgenossen genannt. Das mag ein wenig hochgegriffen sein, aber dem Wirken des Lehrers, Organisten, Kapellmeisters, Schützenhauptmanns und nicht zuletzt Kämpfers in den Bergisel-Schlachten darf man durchaus heute noch Beachtung schenken, nicht nur weil er 1793 die Musikkapelle Götzens gegründet hat. Abenthung ist nur ein Beispiel für eine Vielzahl von Schullehrern, die „bis weit ins 20. Jahrhundert hinein“ die wichtigsten „Träger der ländlichen Musikpflege“ waren, heißt es zu einer musikalischen Tagung, die von morgen Freitag bis zum Sonntag im Ferdinandeum stattfindet. Und damit das Programm des „musikmuseums 2017“ einläutet.

Unter den österreichischen Landesmuseen seien die Tiroler Landesmuseen (TLM) „die einzige Institution, die über eine hervorragende, hauptamtlich betreute Noten- und Instrumentensammlung verfügt“, so TLM-Chef Wolfgang Meighörner bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Dazu gehören auch „Quellenbestände aus dem ehemaligen Besith von Lehrerorganisten“, ergänzt Franz Gratl, Kustos der Musiksammlung der Tiroler Landesmuseen. An Material für die Tagung ist also einiges vorhanden, sie ist frei zugänglich und wird auch von Konzerten begleitet (Programm unter www.tiroler-landesmuseen.at/tagung2017).

Was die Konzertreihe „musikmuseum“ betrifft, steht 2017 auch im Zeichen des 450-Jahr-Jubiläums des Regierungsantritts von Erzherzog Ferdinand II. in Tirol: Renaissancemusik erklingt am 12. Juni mit Marini Consort und Ensemble dolce risonanza, am 25. Juni begibt man sich gemeinsam mit der Innsbrucker Abendmusik auf Claudio Monteverdis Spuren.

„musikmuseum“ heißt auch das hauseigene Label der Tiroler Landesmuseen, 2016 wurden fünf neue CDs mit tirolspezifischen Programmen produziert, heuer sind sechs geplant. So erscheint etwa die Aufnahme des „musikalischen Gipfeltreffens 1503“ mit höfischer Renaissancemusik aus der Zeit Kaiser Maximilians I., zu hören sind darauf neben renommierten Gesangssolisten und dem Ensemble Capella de la Torre auch die Wiltener Sängerknaben. (jel)