Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.03.2017


Musik

„Wem gehört der Mensch …?“

Werner Pirchners Klaviertrios in einer exzellenten CD-Einspielung.

© Ernst A. GranditsMit Musik tief in substanzielle Fragen eingetaucht: Werner Pirchner. Foto: Ernst A. Grandits



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Das österreichische Eggner-Trio hat Werner Pirchner (1940–2001) nicht mehr kennen gelernt, seine Musik aber ist Teil ihres Repertoires, man versteht sie überall. Nun haben die Brüder die drei zwischen 1988 und 1997 entstandenen Klaviertrios von Pirchner, betitelt „Wem gehört der Mensch?“, „Heimat?“ und „Heute … war Gestern Morgen. Heute … ist Morgen Gestern“, auf CD aufgenommen. Es wurde eine Referenzaufnahme.

Christoph, Georg und Florian Eggner an Klavier, Geige und Cello haben, Rainer Lepuschitz berichtet darüber im Booklet, ihren individuellen Zugang zu dieser tief in substanzielle Fragen eintauchende Musik. Wie sie dann zum Trio werden, ist singulär, weil sie nicht nur auf Konsens abzielen, sondern, immer im Zusammenhang, jeder Stimme Gewicht und Raum geben. Pirchners Unverwechselbares wird so sehr plastisch. Typisch in den Intervallen, Akkorden und oft unmittelbar wechselnden Tonlängen, in der dunklen Grundstimmung, dem Dur-Moll-Changieren, dem Lieblichen und vorübergehend Lustigen, dem Auflösenden und Geheimnisvollen.

Im Aufnahmestudio, sagt Florian Eggner, habe es sich angefühlt, als „ob sich Werner selber im Raum befände“. Und so spielten sie, wohl auch für ihn. Energetisch und zart, aufbegehrend, schmerzlich, süß, verlöschend.

Und dann Pirchners Stimme, sein Lachen, seine Sprache. Als letzter Track Teil eines Interviews mit dem Komponisten, das der Hessische Rundfunk 1996 ausgestrahlt hat. Da sagte er, dass Titel wie „Wem gehört der Mensch …?“ mit der Musik zu tun haben oder auch nicht, dass es ihm wichtiger sei, dass Menschen über die Frage nachdenken. Er erzählt vom Eindruck, den Bachs Chaconne auf ihn gemacht hat und dass er dann Bachs Sonaten und Partiten für Violine nach Noten auf dem Vibraphon „trainierte“. Bis dahin hatte er nur durchs Hören gelernt. Er entschuldigt sich, dass er Dialekt redet, doch nur so kann er sich mit­ teilen.

CD-TIPP Eggner Trio: Werner Pirchner, Piano Trios (Gramola)