Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 27.03.2017


Musik

Lustvoll durch eine neue Klanglandschaft

Martin Mallauns Zithern und Viviane Chassots Akkordeon gehen auf einer CD eine hinreißende Partnerschaft ein.

© Werner KrepperDer Tiroler Musiker und Klimaforscher Martin Mallaun erobert mit seinem innovativen Umgang mit der Zither die Musikwelt.Foto: Werner Krepper



Innsbruck – Sie haben sich bei Opernproben in Schwetzingen kennen gelernt, die Schweizer Akkordeonistin Viviane Chassot und der Tiroler Zitherspieler Martin Mallaun. Beide bekannt für unkonventionellen Umgang mit ihren Instrumenten, die Aneignung unspezifischen Repertoires und die Erweiterung des Klangspektrums. Sie beschlossen, zusammenzuarbeiten, obwohl kaum Repertoire für die Besetzung Akkordeon und Zither existiert.

Fündig wurde das Duo Chassot/Mallaun innerhalb von 400 Jahren Musikgeschichte dort, wo es seine Vorlieben schon hingeführt hatten, vom elisabethanischen Lautenisten John Dowland bis zu György Ligeti. Ihre CD-Einspielung mit dem Titel „Objets Trouvés“ (Genuin), sinngemäß „Fundstücke“, schafft es in die Bestenliste des Deutschen Schallplattenpreises und in die Rezensionslisten bedeutender Publikationen. Und tatsächlich führen Auswahl und Interpretation Vertrautes in eine neue Hörlandschaft. Die Klangläuterung – nicht zuletzt durch Mallauns mikrotonal gestimmte Zithern – erweitert die Stücke und verdeutlicht ihr Wesen.

Dowlands kristalline Musik (zwei Stücke Mallaun solo) geht herrlich auf in dem eigenen, neuen Klang, der hier mit der nötigen Sensibilität gemischt wird. François Couperin verträgt höfische Repräsentation und auch einen Schuss Humor, Astor Piazolla rückt den Effekten Neuer Musik nahe („Libertango“, „Novitango“, „Adiós Nonino“ gehört allein Viviane Chassot). Ligetis Stücke aus „Musica ricercata“ geben neu beleuchtet besonders ihre Schönheit und volksmusikalischen Bezüge preis, die „Chess Pieces“ von John Cage sind hinreißend im Erfindungsreichtum des Komponisten und Interpreten.

Chassot/Mallaun haben die Funktion und Rollen ihrer Instrumente lustvoll, klug und hochmusikalisch verteilt. Es gelingt ihnen, die Charakteristika von Zither und Akkordeon in neue Soundwelten zu weiten und ohne Verrat ästhetische Positionen einander anzunähern, so dass Komponisten wie Dowland und Cage ihre Rezeptionszirkel verlassen dürfen. (u.st.)