Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.05.2017


Exklusiv

Weekender Club 2005 bis 2017: Das Ende einer Ära

2005 wurde der Weekender Club von Eugene Kelly eröffnet, der Indie-Rock-Veteran hat nach 1600 Konzerten nun auch das allerletzte hier gespielt.

Eugene Kelly am Samstagabend im Weekender Club. Die Stamm-DJs des Hauses, FunkSoulRebel, Anderson, Scooterman, PHILIPS und Mr. Shnibbler, legten im Anschluss auf.

© Rudy De Moor / TTEugene Kelly am Samstagabend im Weekender Club. Die Stamm-DJs des Hauses, FunkSoulRebel, Anderson, Scooterman, PHILIPS und Mr. Shnibbler, legten im Anschluss auf.



Von Silvana Resch

Innsbruck – Zum Eintrittsband ums Handgelenk wurde am Samstagabend auch eine Packung Taschentücher gereicht: „Stop Crying Your Heart Out“, ermahnte der Sticker nach dem gleichnamigen Oasis-Song – „alle Sterne verblassen“, singt Noel Gallagher darin. Mit dem Weekender Club hat am Wochenende eine Tiroler Institution geschlossen, die weit über Westösterreich hinaus bekannt war. Eine Veranstaltungsstätte für fast alle Spielarten alternativer Musik, die sich trotz kommerzieller Ausrichtung unter vergleichbaren heimischen Venues als eine Art Musterschüler hervorgetan hatte. Abgesehen von den geschmacklich fragwürdigen Pissoirs in Form von Frauenmündern, die im ersten Jahr des Club-Bestehens mancherorts für Irritationen gesorgt hatten, gab es hier weder Skandale noch Randale, beziehungsweise nur die auf der Bühne gewünschten. Doch die Nachbarn in der Tschamlerstraße wollten nach all den Jahren friedlicher Koexistenz den Lärm feiernder Menschen nicht weiter hinnehmen. Kaum eine Veranstaltung im vergangenen Jahr, zu der die Polizei nicht gerufen wurde.

Verabschiedet haben sich die Ordnungshüter nicht: Trotz ausverkauftem Haus und der sommerlichen Temperaturen, die die Partygäste vor den Club lockten, war es ein friedvoller letzter Abend. Mit dem Auftritt von Eugene Kelly wurde nach den Konzerten der Tiroler Progrocker Mother’s Cake und der deutschen HipHopper Antilopen Gang ein allerletztes Mal gefeiert. Der aus Glasgow stammende Indie-Rock-Veteran Kelly hatte mit seinem Solo-Album „Man Alive“ den Weekender am 29. Oktober 2005 eröffnet. Bekannt ist der Schotte vor allem für seine in den 80er-Jahren gegründete Band The Vaselines, die es mithilfe von Kurt Cobain beinahe in den Mainstream geschafft hätte: Der Nirvana-Frontmann coverte gerne Vaselines-Songs wie „Molly’s Lips“.

Der einzige Weekender-„Skandal“: geschmacklich fragwürdige Frauenmünder-Pissoirs 2006.
Der einzige Weekender-„Skandal“: geschmacklich fragwürdige Frauenmünder-Pissoirs 2006.
- Murauer

Der kalte Tiroler Winter des Jahres 2005 war Kelly offensichtlich in Erinnerung geblieben. Bei den brütenden Temperaturen im Weekender-Keller legte er am Samstagabend seinen Wollpulli jedoch rasch ab. Zwischen seinem ersten Auftritt und dem leisen Solo-Konzert mit Akustikgitarre und Mundharmonika hat sich freilich auch beim Innsbrucker Publikum so mancher Weekender-Abend ins Gedächtnis gebrannt. Als kleine Erinnerungsstütze wurden neben T-Shirts (Weekender Club, 2005–2017) auch schwarze Stofftaschen angeboten, bedruckt mit den Namen der bekannteren Bands der insgesamt 1600, die hier gespielt haben. Darunter etwa auch Mando Diao, die allerdings „nur“ zum Feiern kamen.

Länger als der Club ist das Weekender Records Label Geschichte. Der gebürtige Londoner Justin Barwick, der den Club gemeinsam mit Andy Franzelin gegründet hatte, nahm mit dem Musiklabel (das auch Büros in Berlin und London unterhielt) Britpop-Newcomer wie The Bishops unter Vertrag, heimische Indie-Heroen wie Naked Lunch wurden in Großbritannien vertreten. In den vergangenen Jahren wurden auch regelmäßig Festivalbühnen vom Weekender bespielt. Nun hat sich auch in der Tschamlerstraße die Discokugel ausgedreht, es bleibt eine Lücke.

Die Indie-Urgesteine „Teenage Fanclub“ blieben trotz Kritikerlob hierzulande ein Geheimtipp.
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- Watzdorf
Panda-Superstar Cro begeisterte 2013 Hunderte Fans im Weekender, heute kämen Tausende.
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- Watzdorf
Peter Doherty, der es mit Terminen nicht so genau nimmt, spielte 2010 im Weekender.
Peter Doherty, der es mit Terminen nicht so genau nimmt, spielte 2010 im Weekender.
- Watzdorf

Fragwürdige Frauenmünder und Auftritte von lebenden Legenden, artigen Indie-Rockern und niedlichen deutschen Panda-Rappern

Mit einer losen Konzert- und Clubbing-Reihe hatten die Weekender-Betreiber vor elfeinhalb Jahren im ehemaligen Nu:topia begonnen, 2006 wurde neben dem Partykeller auch der Cafébetrieb übernommen.

Im ersten Jahr seines Bestehens gab es im Weekender Club nicht nur Konzerte von britischen Newcomern wie The Bishops, Dogs oder Eight Legs, auch deutsche Indie-Bands wie Großstadtgeflüster oder die Austro-Heroen Naked Lunch schauten vorbei. Die Weekender-Gründer holten zudem Musik-Legenden wie Peter Hook (New Order) oder Marky Ramone (Ramones) nach Innsbruck. Größen wie die HipHop-Pioniere Sugarhill Gang oder die wohl bekannteste Death-Metal-Formation Cannibal Corpse folgten im Lauf der Jahre.

2010 sorgte Peter Doherty für lange Warteschlangen vor dem Club und ein restlos ausverkauftes Konzert: Das Enfant terrible des Indie-Rock spielte im Weekender nicht nur artig seine Hymnen und Lieder, sondern feierte auch brav die ganze Nacht in Innsbruck.

Für einen ähnlichen Andrang wie Doherty konnte Pandarapper Cro 2013 sorgen. Heute spielt der Deutsche (wie so manch anderer Weekender-Act auch) bekanntlich in weitaus größeren Hallen.

Zum größten Publikums-Flop wurde indes der Auftritt der 90er-Jahre-Kritikerlieblinge Teenage Fanclub. Das erste Österreich-Konzert der schottischen Alternative-Helden lockte 2010 gerade einmal 37 Gäste in den Weekender. Wenn das Kurt Cobain wüsste ...