Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.09.2017


Musik

Die Wiederentdeckung verborgener Klangwelten

Musiktheater für Kinder: Manuela Kerers „Villa Wunder“ bei den Klangspuren.

Hausmeister Sale (Marek Zink) soll in der Villa Wunder für Ordnung sorgen – und bringt Alltagsgegenstände zum Singen.

© Carla Veltmann/KlangspurenHausmeister Sale (Marek Zink) soll in der Villa Wunder für Ordnung sorgen – und bringt Alltagsgegenstände zum Singen.



Von Christine Peham

Schwaz – Die Besonderheit des reichhaltigen Musikvermittlungsprogramms der Klangspuren Schwaz liegt darin, dass dieses während des gesamten Jahres weit über die Festivalzeit im September hinauszeigt.

In diesem Jahr gab es mit der Uraufführung der „Villa Wunder“, ein Musiktheaterstück für Kinder von Manuela Kerer, mitten im Festival eine zusätzliche Gelegenheit, auch junge Augen und Ohren mit zeitgenössischer Musik in Berührung zu bringen.

In besagter Villa Wunder ist nichts mehr an seinem Platz: Der liebenswürdige Hausmeister Sale (ausdrucksstark: Marek Zink) versucht mithilfe seines treuen Besens Pepe Ordnung in die Dinge zu bringen. Immer wieder verliert er sich dabei in seiner Faszination für die Ausdrucksqualität der Alltagsgegenstände, bringt sie zum Klingen und Tanzen. Unterstützt wird Sale dabei von zwei stummen Musikern, die ebenfalls in das Spiel mit den Alltagsobjekten einsteigen.

Musikalisch legt Manuela Kerer ihre „Villa Wunder“ zwischen Rap und verfremdetem Landler an. Sie komponierte für Cello und Zither einen klanglichen Spannungsbogen, der vom Eigenklang ausgewählter Alltagsgegenstände (Müllsäcke, Eierschneider, Quietschtiere, Besteck, Kochlöffel und Ähnliches) getragen wird und im gemeinsamen Finale der Spieluhren gipfelt.

Für Konzept und Regie verantwortlich zeichnete die erfahrene Musikvermittlerin Veronika Großberger, deren Ideen die interaktive Verbindung zum jungen Publikum herstellten.

Als Musiker und schließlich auch schauspielerisch Mitwirkende waren Sophie Abraham (Cello) und Martin Mallaun (Zither) zu erleben – sie, sehr stimmig in der strukturbringenden Rolle, und er, nach und nach in Erscheinung tretend, das Trio humorvoll und flexibel komplettierend.

Marek Zink vernetzte die Sequenzen der Alltagsobjekte unter Einsatz von Slapstick und Clownerie mit Tanz, Rap oder gesummter Melodie. Klug gewählt der Verfremdungseffekt der „Bebe-Sprache“ des Hausmeisters Sale, die den Gestus der einfachen Handlung klar unterstrich.

Die Unmittelbarkeit der Reaktionen der Kinder, die tief in das Geschehen eintauchten und die Faszination für die Wiederentdeckung der verborgenen Klangwelten teilten, zeigte, dass das Stück in Umsetzung und Konzeption voll aufging und hier deutliche Klangspuren hinterlassen wurden – während auf den hinteren Plätzen die klingelnden Mobiltelefone der Erwachsenen Einblick in eine Welt gaben, in der die Dinge längst die Macht übernommen haben.