Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Musik

Fromme Musik voller

Farben und Originalität

Johann Zachs wirkungsvolle, spätbarock pastorale geistliche Musik erfüllte am Sonntagabend den Dom zu St. Jakob.

Die Barocksolisten München mit den Solisten im Innsbrucker Dom im Dienste Johann Zachs.

© Irene RabederDie Barocksolisten München mit den Solisten im Innsbrucker Dom im Dienste Johann Zachs.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Wo sonst kommt es vor, dass in einer katholischen Messvertonung – noch dazu einer Missa solemnis – das Sanctus gefühlt mit dem Nachhall des Credo schon wieder vorbei ist, das dreimalige Initial Heilig – heilig – heilig so rasch beim Hosanna ankommt? Dann schwebt im Benedictus ein ausgedehntes, gefühlsinniges Männeduett mit konzertierender Solovioline über Streicherpizzikato, und der Chor lauscht noch einem flötenbegleiteten Agnus-Dei-Altsolo, bevor er einstimmt und figurierend die sakrale Feier beendet.

Johann Zach (1713–1773) gibt reichlich Anlass, seine Kompositionen originell zu nennen. Er war über Lebzeiten hinaus bekannt. In Mainz arbeitete er als Kapellmeister, wurde dann aber 1756 unstet und hielt sich in Klöstern und an Höfen auf. Sehr gern im Stift Stams, wo heute die größte Anzahl seiner Werke zu finden ist.

Ein Konzert in Zusammenarbeit von musik+ und musikmuseum brachte im Dom zu St. Jakob am Samstag Zachs Stabat Mater und die Missa solemnis in d-Moll/D-Dur sowie in Intermezzo-Funktion die Sinfonia in G-Dur zu Gehör. Was nach einem satten Barockprogramm klingt, dauert keine 90 Minuten und spielt stilistisch durchaus schon in die Vorklassik hinein. Über allem aber Zachs bestechende Individualität und Könnerschaft, beides macht gerade auch aus dem Stabat Mater ein großes Werk. Es beginnt ungewöhnlich mit einer Ouvertüre, verströmt sich in Arien, entlockt dem Instrumentalensemble Farbigkeit und den Vokalisten außer geschmeidigen Linien virtuose Koloratur. Der Chor verweist auf die Leiden Christi in scharfer Chromatik, und er ist es, der liegenden Alt-Tönen bewegt antwortet. Zach spricht durch seine Musik, schildert, mahnt, tröstet, betet, malt Emotionen, und wird verstanden.

Die Barocksolisten München wussten Zach prächtig zu übersetzen, die Solisten Katja Stuber (Sopran), Susanne Langner (Alt), Paul Schweinester (Tenor) und Sebastian Myrus (Bass) individualisierten mit schönen klaren Stimmen. Auch das Vokalensemble NovoCanto weiß die Vorzüge dieser Musik aufzuspüren, und sie steht ihm prächtig.




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