Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


Musik

Unsentimental

mit tiefem Sinn



Innsbruck – Mit einem tiefsinnig sich verknüpfenden Programm eröffnete das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck am Donnerstag und Freitag im Congress die neue Saison. Am Pult stand Aziz Shokhakimov (29), temperamentvoll, musikalisch und bereits routiniert, weil er schon mit 13 Jahren als Dirigent des National­orchesters seiner usbekischen Heimat debütiert hatte.

Der Auftakt mit der Bachkantate 150 war ungewöhnlich und führte sinnvoll zum letzten Satz von Johannes Brahms’ Vierter Symphonie, der ausladend auf das Bach’sche Werk Bezug nimmt. Die Wiltener Sängerknaben waren die erfüllende Wahl für Bach, einstudiert von Johannes Stecher am Orgelpositiv. In kleiner Orchesterbesetzung barockaffine Musikerinnen und Musike­r. Der Bogen zu Brahms gelang Shokhakimov dann weniger. Sicherlich kam diese Vierte für den jungen Dirigenten zu früh. Da war von Beginn an schon alles da und keine Möglichkeit mehr zum Vorbereiten, Entwickeln, Aussparen und In-Beziehung-Setzen, das Türmen, Treiben und Pompöse überspielte alles subjektiv Vergrübelte. Brahms’ spezifische Tragik freilich treffen auch ältere Dirigenten nicht leicht. Das Orchester virtuos, die Bläser suchten vergeblich im Andante zu retten.

In der Mitte ein Höhepunkt, großartig gelungen das Klavierkonzert Nr. 3 von Béla Bartók, dem Thema des Abends mit dem „Adagio religioso“ verbunden. Da wusste Shokhakimov die Größe des Werkes zu formen, da war das Orchester brillant. Andrei Korobeinikov ein punktgenauer Pianist dafür, mit hundert Fingern, mit unsentimentalem Ausdrucksreichtum, dem Kollektiv, speziell den Bläsern, bis ins Detail höchst spannend verbunden. (u.st.)




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