Letztes Update am Sa, 14.10.2017 10:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Laubichler: „Die Konstellation im Haus der Musik ist fabelhaft“

Seit 1. September ist Wolfgang Laubichler als Direktor des Hauses der Musik im Amt. Er will Kooperationen fördern und die freie Szene einbeziehen. Über sein Budget hüllt er sich in Schweigen.

© BöhmDer Salzburger Kulturmanager und Orchesterleiter Wolfgang Laubichler leitet das Haus der Musik.



Herr Laubichler, Ihr Arbeitsplatz ist bis zur Fertigstellung des Hauses der Musik das Landestheater. Nach Ihrer Bestellung hieß es, man habe anfangs Schwierigkeiten gehabt, im Haus der Musik überhaupt ein Büro für Sie zu finden, weil keines eingeplant war. Hat sich mittlerweile eines gefunden?

Wolfgang Laubichler: Das habe ich auch gehört, aber es wird ein Büro geben. Welches genau, ist noch nicht eingeteilt, aber es liegt im dritten Stock.

Wie hoch wird das Budget sein, über das Sie verfügen?

Laubichler: Da möchte ich jetzt noch keine Angaben machen, weil wir noch bei den ersten Überlegungen sind im Bereich Eigenveranstaltungen, der mir sehr wichtig ist. Und da sind mir jetzt noch zu wenig Veranstaltungen drinnen, das möchte ich auf jeden Fall ausbauen.

Das klingt so, als hätten Sie gern mehr Budget als derzeit vorgesehen?

Laubichler: Das werde ich versuchen, auch selber aufzutreiben. Man muss sich aber auch überlegen: Was ist das Haus der Musik? Veranstaltungshäuser sind Häuser, die an andere Veranstalter vermieten, und ein Konzerthaus ist ein Haus, das primär selbst Veranstaltungen macht. Wir sind irgendwas dazwischen. Ich brauche also nicht wie das Wiener Konzerthaus Hunderte Veranstaltungen selbst zu machen, sondern natürlich ist das Haus der Musik auch primär ein Ort für Tiroler Veranstalterinnen und Veranstalter. Und es wird darüber hinaus sicher Kooperationen zwischen internen und externen Nutzern geben.

Was schwebt Ihnen bei den Eigenveranstaltungen vor?

Laubichler: Da werde ich natürlich auch schauen, was der Markt noch hergibt, und nach Nischen suchen, mit denen ich nicht eigenen Nutzern oder Institutionen in Innsbruck Konkurrenz mache. Natürlich würde ich liebend gerne einen Kammermusikzyklus machen, aber das mache ich nicht, weil die Festwochen haben ihren Kammermusikzyklus – und ich will lieber, dass die den bei uns machen. Das wird auch so passieren, früher oder später.

Was wären solche Nischen?

Laubichler: Ich könnte mir zum Beispiel Stummfilmmusik vorstellen. Da ist das Spektrum sehr groß, von einer reinen Klavierbegleitung bis hin zum Ensemble, da gibt es auch einige ganz großartige neue Werke zu alten Stummfilmen und das ist sehr ausbaubar, glaube ich. Und wir haben dafür alle Voraussetzungen im Haus.

Die internen Nutzer des Hauses sind sehr unterschiedlich. Wie ist Ihr bisheriger Eindruck von der Kooperationsbereitschaft?

Laubichler: Ich finde die Konstellation fabelhaft. Weil es eine Vielseitigkeit in das Haus bringt, die man sich sonst ja erst mühsam erarbeiten müsste. Und ich sehe da eine große Offenheit zur Kooperation. Auch die Konstellation als Sparte des Landestheaters finde ich eigentlich sehr geglückt. Ich habe das Know-how hier am Haus, die bestehenden Abteilungen, wenn man das alles neu aufbauen müsste, wäre das ein Prozess, der ewig lange dauert. Insofern ist das ein Riesen-Startvorteil.

Hatten Sie auch schon Kontakte mit möglichen externen Nutzern, etwa dem Heart of Noise Festival, das ursprünglich in den Stadtsälen beheimatet war?

Laubichler: Mit Heart of Noise bin ich in Kontakt und bin der Meinung, dass dieses Festival extrem gut ins Haus passen würde. Ich finde das großartig, da ist wahnsinnig viel Kraft und Know-how drinnen. Wir sind schon bei der Terminfindung. Und natürlich bin ich mit vielen anderen Veranstaltern und Ensembles in Kontakt und motiviere sie, auch schon für 2018

19 das Haus der Musik einzuplanen in ihren Programmen.

Im Grunde braucht das Haus ja auch Veranstalter, die sich einmieten, damit Geld in die Kassen kommt. Wobei stets betont wurde, dass die Mieten in einem „verträglichen“ Rahmen bleiben sollen. Wie geht sich das aus?

Laubichler: Ich war ewig lang in der freien Szene in Salzburg und ich weiß, wie viel sich die freie Szene leisten kann, nämlich quasi nix. Das ist natürlich ein Thema und da wird sich ein Weg finden. In der freien Szene stecken gehörig viel Kreativität und gute Ideen, und insofern möchte ich das schon auch im Haus haben. Das ist also ein Aufruf an diese freie Szene, an mich heranzutreten mit Ideen. Die sind willkommen! Natürlich wird man über die Kulturvermietschiene nicht reich werden. Aber es wird ausreichende Deckungsbeiträge geben.

Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier träumt von einem Opernball im Haus der Musik. Träumen Sie das auch?

Laubichler: Ich träume nicht davon, aber könnte es mir gut vorstellen.

Gerade hat sich der Intendant auch in den Dienst der Olympia-Bewerbung gestellt. Wie sieht es mit Ihrer Olympia-Begeisterung aus? Hat man Sie auch gebeten, sich in den Dienst der Olympia-Bewerbung zu stellen?

Laubichler: Nein, dafür bin ich ein zu kleines Rädchen (lacht). Und ich kann dazu wirklich nur meine ganz persönliche Meinung sagen: Mich nervt Sport. Aber wenn die Tiroler so etwas machen wollen und das durchziehen, dann wünsche ich ihnen viel Glück dafür.

Das Gespräch führte Ivona Jelcic