Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.11.2017


Musik

CD-Reihe des Ferdinandeums: Vom Choral zum Sündenfall

Spannende CD-Veröffentlichungen aus dem Landesmuseum Ferdinandeum.

© InnFocus/RabederDas wunderbare „Ensemble Peregrina“ bezauberte in der Innsbrucker Pfarrkirche St. Nikolaus mit kunstvoller mittelalterlicher Musik.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Das klingende Tirol hat wahre Schätze zu bieten und die Konzert- und CD-Reihe des Ferdinandeums sammelt sie ein. Drei neue „musikmuseum“-Silberscheiben spannen einen Bogen vom 14. ins 21. Jahrhundert, und was es da zu hören gibt, ist nicht nur von lokalem Interesse.

Das international renommierte Ensemble Peregrina unter der Leitung der polnischen Sängerin und Musikwissenschaftlerin Agnieszka Budzin´ska-Bennett, in Basel beheimatet und auf Musik des 12. bis 14. Jahrhunderts spezialisiert, hat in seiner Reinheit, Schönheit und Aussagekraft magische Wirkung. Sie kommt dem Tiroler Programm zugute, in dessen Mittelpunkt Gesänge aus dem prachtvollen „Codex 457“ (so auch der Titel der CD) stehen. Die Handschrift kam aus Stift Neustift in Südtirol über die Kartause Schnals in die Innsbrucker Universitätsbibliothek. Choral, seltene Mehrstimmigkeit, die Melodieverläufe und dramatische Textausdeutung dieser Musik, die auch aus anderen, frühen Tiroler Quellen wie Stift Stams stammt, sowie die Kunst, aber auch Natürlichkeit des Musizierens ergeben ein faszinierendes Klangbild.

Die musikalische Frühromantik wird in den Konzertsälen mit meist denselben Komponistennamen besetzt. Die CD musikmuseum Nr. 28, „Concertino“, hat mit Josef Netzer, Jakob Schgraffer, Martin Goller und sogar dem sächsischen Hornisten Carl Christian Eisner temperamentvoll und kurzweilig viel Tirolbezug. Die Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl ist mit beherztem Zugriff bei der Sache. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Solisten mit Klarinettist Max Ziehesberger an der Spitze, sowie Lukas Gruber (Fagott), Dorothea Seel (Flöte) und Viktor Praxmarer (Horn).

Nach der Genesis hat sich der Tiroler Komponist Franz Baur in einem weiteren Oratorium mit dem Sündenfall, griechisch „Amartema“ (so auch der Titel der CD), befasst. Die Uraufführung fand 2013 in der Wallfahrtskirche Götzens statt und hat in Aussagekraft und Farbigkeit das Publikum bewegt. Baur setzt das Orchester raffiniert ein, er sucht mit verschiedenen Kompositionstechniken, Klangkombinationen und auch mit dem Mittel der Aussparung immer neue Wirkungen. Die verhängnisvolle Apfelgeschichte mit weitreichenden Folgen in fünf Teilen und einem Epilog dauert knapp 70 Minuten. Karlheinz Siessl erreicht mit St. Blasius, einem kleinen Chor und den Solisten Susanne Langbein, Bernhard Landauer und Andreas Mattersberger eine wirkungsvolle Aufführung.