Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.11.2017


Musik

Bayerische „Blasmusik-Spice-Girls“

Die „Blechbixn“, Bayerns erfolgreiche Blasmusik-Damencombo, gehen im Herbst mit ihrem brandneuen Album „Aus. Äpfe. Amen“ auf große Tour.

© Gregor WiebeTypisch "Blechbixn" – die Trompete in der Hand und den Schalk im Nacken.



Von Hubert Trenkwalder

Landshut – Man möchte ja nicht beginnen mit „Wir haben es immer schon gewusst!“. Aber beim ersten TT-Interview mit den Blechbixn aus Landshut in Bayern schwang schon ein bissl dieses gewisse Etwas mit, das man für eine gescheite Karrierekurve braucht. Und diese zeigt bei den Blechbixn steil nach oben.

Frech, bodenständig und weltoffen. So krempelt das eingeschworene Mädelsquartett um Karin Obermaier aus Niederbayern seit einiger Zeit die – seien wir doch ehrlich – noch immer männlich dominierte Blasmusik­szene um, dass so manchem Oberammergauer Traditionalisten der Gamsbart vom Hut fliegt.

Egal ob Disco oder Bierzelt, Heimatabend oder Festivalbühne – die Blechbixn bringen mit druckvollem Brass-Sound, ungekünstelt charmantem Gesang und ihrem sympathischen Humor jede Location zum Kochen.

Nach „Großstadtfiaba“ legen sie nun ihr neue­s Album vor, wobei sie schon im Titel klarstellen, dass sie sich noch immer nichts vorschreiben lassen und am liebsten nach ihren eigenen Regeln spielen: „Aus. Äpfe. Amen.“

Wer beim Stichwort „Bayerische Blasmusik“ nur an die bierselige Lodenjanker-Gemütlichkeit älterer Herren mit Zwirbelschnurrbart denkt, liegt daneben. Auch wenn Trompeterin Karin, Akkordeonistin Judith und Posaunistin Hilde zusammen mit Neuzugang Tine an der zweiten Trompete ganz genau wissen, wo sie dahoam sind, setzen sie sich musikalisch keine Grenzen.

Immer klingt bei aller Heimatverbundenheit auch die weite Welt mit: ein pfeffriger Schuss Balkan, eine Prise Latino-Rhythmen, und dazu der vierstimmige Gesang im kernigen Dialekt. Der Sound, den die Mädels ins Publikum schmettern, ist ein leidenschaftliches, wildes und stets gefühlvolles Glückselixier, das selbst Rock- und Metalfans unweigerlich in die Wadln fährt. Das gilt live genauso wie im Fernsehen, wo sie unter anderem bei der „Stadlshow“ und der bayerischen Talentshow „Mia san mia“ angetreten sind.

In den Texten des neue­n Albums geht es um die verschiedensten Facetten dessen, was es heißt, eine echte Blechbixn zu sein, also eine lebensfroh­e, moderne junge Frau in Highheels und Lederhosen, die ihren eigenen Kopf hat und keineswegs auf den Mund gefallen ist.

Da wird ein potenzieller neuer Lover schon mal beim Kartoffelernten einer Tauglichkeitsprüfung unterzogen („Erdäpfe klaum“), bevor gemeinsam in den sauren Apfel „mit Puderzucker dro“ gebissen wird („Des End vom Liad“).

Klar, dass man so ein Mannsbild, wie es den Blechbixn vorschwebt, nicht beim Online-Dating findet, weshalb diesem auch eine klare Absage erteilt wird, ebenso wie den „Isarpreißn“, die vollbärtig mit dem Porsche aufs Land gurken, um am Tegernsee grünen Tee zu trinken („Wannabe Hipster“).

Im Herbst gehen die Mädels mit ihrem neuen Album auf Tour durch ganz Bayern. Dann werden sie wieder unter Beweis stellen, was jeder bezeugen kann, der sie einmal erlebt hat: Die Blechbixn sind Bayerns ultimative Antwort auf die Spice Girls – mit Trompeten halt!




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