Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.12.2017


The Voice of Germany

Denise Beiler über ,,The Voice“: ,,Es geht nur um die Quote“

Die Tirolerin Denise Beiler denkt ungern an die Zeit bei „The Voice of Germany“ zurück.

© MaierIhre Casting-Erfahrung hat Denise Beiler in schlechter Erinnerung, mit dem Bandprojekt „Denizz“ hat sie den Spaß an der Musik wiedergefunden.Foto: Michael Putzlocher



Von Christiane Fasching

Innsbruck – Ein Steirer hat gute Chancen, „The Voice of Germany“ zu werden: Der 24-jährige Michael Russ singt am 10. Dezember um den Einzug ins Finale der ProSieben/Sat.1-Castingshow, die man als sympathischen Gegenentwurf zu „Deutschland sucht den Superstar“ zu kennen glaubt. Und die vor zwei Jahren auch die Tirolerin Denise Beiler deutschlandweit bekannt gemacht hat. Zumindest kurzzeitig.

Für die Inzingerin, die mit rockiger Stimme, kahlrasiertem Kopf und Tattoos aus der Masse stach, endete das Casting-Kapitel damals im Semifinale. Wenn sie heute gesteht, dass sie danach „am Boden zerstört“ war, dann hat das aber nur am Rande mit diesem Ausscheiden zu tun. Im Gespräch mit der TT erzählt Beiler, dass sie sich als Kandidatin wie „ein Produkt fühlte, das jederzeit zu funktionieren hatte“. Beiler: „Mir war zwar klar, dass ich mich auf ein Spiel einlasse, in dem ein Regisseur die Fäden in der Hand hat, aber mir war nicht klar, wie sehr mich dieses Spiel belasten würde.“ Deshalb würde sie nun auch jedem, der ernsthaft von einer Karriere als Musiker träumt, davon abraten, bei einer Castingshow mitzumachen. „Die Sender wollen mit den Kandidaten ja nur Quote machen: Wenn die Lichter aus sind, dann bist du ihnen aber egal“, resümiert Beiler, die sich schwer mit dem Hype tat, dem sie plötzlich ausgesetzt war. „Von einem Tag auf den anderen singst du vor einem Millionenpublikum und wirst mit der Limousine zum Auftritt gebracht. Und parallel dazu musst du jemanden fragen, ob du jetzt aufs Klo gehen darfst. Normal ist das nicht“, sagt die 29-Jährige, die letztlich froh war, die Show nicht gewonnen zu haben. „Dann wäre ich ja noch länger vertraglich an die Sender gebunden gewesen.“

Doch auch ohne Sieg endete Beilers Vertrag mit ProSieben und Sat.1 erst ein halbes Jahr nach Ende der Show. Gab’s von den Sendern da noch Unterstützung, um die Karriere anzukurbeln? „Nein. Ich wurde nur gefragt, ob ich nicht ein paar Leute kenne, die sich bewerben könnten. Aber da hab’ ich ihnen bewusst nicht weitergeholfen“, sagt die Tirolerin, die nicht die einzige Beiler mit Casting-Erfahrung ist. Ihre jüngere Schwester Nadine (27) gewann 2007 die ORF-Show „Starmania“ und vertrat Österreich 2011 beim Song Contest. „Ich hab’ gewusst, wie diese Casting-Welt funktioniert. Trotzdem macht es etwas mit dir, wenn du fallen gelassen wirst“, erzählt die Sängerin, die sich trotz der negativen Erfahrungen die Liebe zum Singen bewahrt hat.

„Ich hatte das Glück, Freunde um mich zu haben, die mir aus diesem Tief herausgeholfen haben“, sagt Beiler, die jetzt wieder „mit Spaß und Leidenschaft“ dabei ist, Musik zu machen. Als Frontfrau des Bandprojekts Denizz, das sie mit ihrem Partner Mark Maier auf die Beine gestellt hat, arbeitet sie an einem Doppelalbum, das im Sommer in einer elektronischen und einer Unplugged-Version erscheinen soll. Einen ersten Vorgeschmack gibt’s schon: Auf der Download-Plattform Bergton.net ist die Debüt-Single „Puzzle“ erschienen. Im dazugehörigen Video sieht man eine lächelnde Denise Beiler. Und keinen Glitzerregen. Es gibt ein Leben nach der Show.