Letztes Update am Mi, 06.12.2017 12:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Song Contest 2018

ESC-Hoffnung Cesár Sampson: „Bin kein Kaugummipopsänger“

Am Dienstag wurde das Geheimnis gelüftet, wer für Österreich beim Eurovision Songcontest nächstes Jahr in Portugal singen wird. Zweimal war Cesár Sampson schon hinter den ESC-Kulissen aktiv, hätte ihn einmal fast gewonnen. Jetzt zieht es ihn selbst ins Rampenlicht. Aber wer ist der Linzer eigentlich?

© ORF / MAHIR JAHMALÖsterreichs Künstler für Lissabon: Der Linzer Cesár Sampson vertritt unser Land im Mai 2018 beim „Eurovision Song Contest“.



Wien/Lissabon — Singer-Songwriter, Vocal-Coach, Produzent, Model und Sozialarbeiter: Mit Cesár Sampson schickt Öster­reich einen Kandidaten ins Song-Contest-Rennen, der einiges erlebt hat: Und zwar nicht nur im Musik-Business, mit dem der gebürtige Linzer bereits sein halbes Leben lang verbandelt ist.

Schon als 17-Jähriger ging er mit den Sofa Surfers und Kruder & Dorfmeister auf Tour, später zog es den 34-Jährigen vermehrt hinter die Kulissen, wo er unter anderem als Songwriter für Louie Austen tätig war. Doch „die formendsten Jahre" erlebte Sampson, wie er selbst sagt, abseits von Pop-Bühnen und Tonstudios: Weil es ihm dort „zu leer und oberflächlich" geworden war, fing er an, als Behinderten- und Jugendbetreuer zu arbeiten, weil er ein Leben führen wollte, „in dem es nicht nur um mich geht".

"Ein Lied, bei dem man nicht einschläft"

Die Musik hat den Wahl-Wiener, für den der Song Contest kein Neuland ist, aber nie losgelassen. Er ist Teil des österreichischen Produzenten-Kollektivs „Symphonics International", das mit Conchita Wurst den Sieg schaffte. Dazu gehören auch der Austro-Bulgare Boris Milanov und der Tiroler Sebastian Arman gehören. Gemeinsam erarbeiteten sie in den vergangenen zwei Jahren die bulgarischen ESC-Beiträge, Sampson war als Songwriter, Vocal-Coach und Backgroundsänger im Einsatz. Ein vierter und zuletzt zweiter Platz beweisen, dass Sampson weiß, was im ESC-Universum ankommt.

Sein eigener Beitrag für Lissabon, den er gemeinsam mit seinen Symphonics-Kollegen kreiert hat, ist eine englische Mid-Tempo-Nummer, „die man nicht so schnell vergisst", wie der vom ORF erkorene ESC-Kandidat verspricht. „Ich traue dem Lied durchaus eine gute Platzierung zu", sagt Sampson. Im Song soll es um die Liebe gehen.

Bis zur Radiopremiere im Februar wird der bereits aufgenommene Song wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Im Interview mit der APA plaudert der Linzer noch ein bisschen aus dem Nähkästchen: „Ich finde den Bereich zwischen Rock und richtigem herzhaften, tiefen, seelischen Soul sehr spannend. Und es geht in diese Richtung. Es ist eine Mid-Tempo-Nummer, bei der man nicht einschläft, zu dem man tanzen kann. Ich glaube, dass unser Song sehr am Zeitgeist ist, rhythmisch, treibend. Ich bin ja kein Kaugummipopsänger, sondern habe meine sehr eigene Art. Dadurch kann ich Leute für mich einnehmen, die ein Lied gerne im Auto hören und ebenso jene, die nicht so auf kommerziellen Pop stehen."

"Ich war sehr gerührt"

Angst, vor einem Millionenpublikum in die Knie zu gehen, hat er nicht: „Ich find's überwältigender, vor vier Leuten aufzutreten, die einem direkt in die Augen schauen, als vor Millionen von Fernsehzuschauern. Die vergisst man dann eh", meint Österreichs Punktefänger. Der ESC ist für ihn eine ganz besondere Plattform: „Die ganze Welt lernt dich auf einen Schlag kennen, das gibt es sonst nirgendwo." Das größte Wettsingen des TV-Universums hält er für den „attraktivsten Ort, um der Welt ein Lied vorzustellen", aber auch als „großen Spaß".

Dass er als Vertreter Österreichs auserkoren wurde, habe ihn sehr gerührt. „Ich freue mich, mein Land repräsentieren zu dürfen. Als jemand, der sich nie ganz sicher war, ob er zum Land dazugezählt wird", gestand Sampson in der ZIB24. „Es ist immer ein Graubereich, wenn man in Österreich geboren und aufgewachsen ist, aber anders aussieht. Man selbst hat und kennt keine andere Kultur, aber auf den ersten Blick wird man nicht dazugezählt", schildert der dunkelhäutige 34-Jährige seine Erfahrungen aus der Schulzeit.

An Selbstbewusstsein und Optimismus mangelt es dem smarten 34-Jährigen jedenfalls nicht. Er hält sich selbst selbst für den geeigneten Kandidaten, weil er „genügend Zeit hatte, um als Künstler zu reifen". Das unterschreibt auch Ö3-Urgestein und ESC-Scout Eberhard Forcher: „Wir haben nach einem authentischen Künstler gesucht, den man nirgends reinzwängen muss, in keine Kleidung, keine Choreographie. Mit Cesár haben wir eine großartige Wahl getroffen"

Aber jetzt mal im Ernst: Kann er uns den „Schas" auch gewinnen? Sampson: „Das kann niemand vorhersagen. Aber ich werd' mein Bestes geben." (fach, tst)