Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.12.2017


Musik

Klangblitze durchs Leise und Laut

Manu Delago spielte auf seiner „Metromonk“-Tour zweimal im Innsbrucker Treibhaus.

© Thomas Boehm / TTDer Hang-Virtuose Manu Delago nutzt den Award für eine zweite Amerika-Tour.



Von Anja Larch

Innsbruck – Mit gleich zwei Konzerten Anfang der Woche gab es dieses Jahr die doppelte Dosis Hang-Klang im Treibhaus – weil der Andrang bei Manu Delago erfahrungsgemäß so groß ist. Und daran war gut getan. Auch am zweiten Abend waren sogar die Treppen im Keller bis oben hin voll besetzt, der Balkon sowieso. Aber trotz der Menge hat man das Publikum, altersmäßig bunt gemischt, selten so ruhig erlebt wie im Moment des Dunkelwerdens.

Als dann erste subtile Töne des unverkennbaren Delago-Hangs erklingen, spürt man fast ein wenig Ehrfurcht vor dem Local Hero. Der bleibt die ersten zwei Nummern allein mit gleich drei Hangs auf seiner Empore, seine Finger tanzen über die stählernen runden Instrumenten-Oberflächen wie Wasserläufer übers Wasser, während sich die Visual­s hinter ihm langsam aufbauen: vorsichtig weiße Linien auf schwarzem Grund, die nach und nach in runde Formen übergehen.

Wie auf seinem aktuellen Album „Metromonk“ präsentiert sich Delago auch auf der Bühne zu Beginn zurückhaltend, stellt sein für manche vielleicht noch immer exotisch klingendes Instrument ganz ins Zentrum. Es ist der Start einer Reise vom Leise ins Laut: mit Tropfenklängen, die zusammen mit den Farbtupfern im Hintergrund – die Visuals stammen von der Künstlerin Monika „Minzile“ Frick – immer mehr zu Klecksen werden.

Mit Blitzen und Beben und schließlich Paukenschlägen steigt Chris Norz, langjähriger musikalischer Weggefährte von Delago, dann eindrucksvoll ins Geschehen ein. Dann stößt Isa Kurz dazu: mit einer Stimme, so klar wie ein Bergsee, und einer Geige, deren Spiel, gezupft und gestrichen, von schwebender Hang-Begleitung bis hin zur wuchtigen Tangomelodie reicht.

Am Ende war dann Krach, schöner Krach mit wummerndem Bass und dynamischem Keyboard – und einem Hang, das ganz ohne seinen Meister erklang. Wie Delago zwischen zwei Liedern erklärte, war es immer schon ein Traum von ihm, es allein spielen zu lassen und selbst auf etwas anderes einzuschlagen – in diesem Fall auf ein so genanntes Octapad.

Als Zugabe stand nach einer rhythmischen Zahnputzeinlage dann wieder alles auf Anfang: das Hang pur, nur untermalt von gezupften Violintönen, zusammen in der Melodie von „Still, still, still“.