Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.02.2018


Musik

Des Kreises Quadratur als müde Hintergrundmusik

Mit „Always Ascending“ meldet sich Franz Ferdinand zurück. Den Beweis, dass es tatsächlich aufwärtsgeht, bleiben die Schotten aber schuldig.

Franz Ferdinand spielen am Dienstag, 13. März, im Wiener Gasometer.

© Franz Ferdinand spielen am Dienstag, 13. März, im Wiener Gasometer.



Von Joachim Leitner

Innsbruck – Clevere Buben, die sich damit abgefunden haben, dass es alles schon einmal gegeben hat – und sich ganz absichtsvoll einen Spaß, sprich einigermaßen tanzbare Gitarrenmusik daraus machen. So oder so ähnlich wurde die schottische Band Franz Ferdinand ziemlich genau in der Mitte der Nuller-Jahre gerne und vergleichsweise euphorisch beschrieben.

Und im Grunde genommen könnte man sie noch immer so beschreiben. Allerdings etwas zurückhaltender. Denn die Vorzeichen haben sich geändert: Gitarrenmusik – zumal solche, für die ebenso ironieinformierte wie blassbläuliche Pubgänger den Setzkasten der Popkultur plündern – kämpft seit Jahren gegen den Bedeutungsverlust. Oder, anders formuliert: Dem Zeitgeist ist selbst mit den schwungvollsten Zitat-Zitaten kaum noch beizukommen. Relevant, weil Ausdruck vermeintlich aufrechterer Zeitgenossenschaft, ist – abhängig davon, welche Poppostillen man konsultiert – Hip-Hop, Elektro-Tüftelei oder irgendetwas halbwegs Obskures dazwischen. Rock jedenfalls ist mindestens genauso tot wie die Mittelschicht, die ihn einst als Ausdruck der eigenen Unangepasstheit feierte.

Das ist jetzt natürlich unzulässig zugespitzt. Aber das ändert reichlich wenig daran, dass Bands wie Franz Ferdinand dieser Tage kaum mehr hervorrufen als wohlige Erinnerungen. Und auch dem neuen, fünften Franz-Ferdinand-Studioalbum gelingt die Trendumkehr nicht. Im Gegenteil: Es unterstreicht das Dilemma vielmehr.

Die Platte heißt „Always Ascending“ – und ist fraglos fein produziert. Die Songs sind eingängig und bisweilen sogar ausnehmend klug getextet. „Glimpse of Love“ etwa setzt sich beinahe zur Gänze aus unsäglich dummen und schrecklich sexistischen Schlagzeilen zusammen. Das mag zwar nicht sonderlich subtil sein, aber schmissig.

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Bloß: Wirklich viel zu sagen hat auch dieses Lied nicht. Es stellt sich vielmehr wie die neun anderen Songs ganz in den Dienst des titelgebenden Programms: Alles geht immer weiter – und vor allem: aufwärts. Für Franz Ferdinand übrigens in leicht veränderter Besetzung: Nach dem Ausstieg von Gitarrist Nick McCarthy sind Dino Bardot und Julian Corrie neue Bandmitglieder. Letzterer – unter dem Künstlernamen Miaoux Miaoux seit Jahrem Liebkind der Glasgower Musikszene – dürfte auch für die klangliche Weiterentwicklung der Band maßgeblich gewesen sein: „Always Ascending“ setzt stark auf Synthesizer – und klingt dabei bisweilen so, als hätte sich Giorgio Moroder im Proberaum eingenistet. Also einigermaßen okay. Aber eben auch ein bisschen zu sehr nach gefälliger Hintergrundmusik für jene Tätigkeiten, die man nolens volens machen muss. Den Abwasch zum Beispiel. Wirkliche Feierstimmung kommt dabei nicht auf. Dafür ist der Mix schlicht und ergreifend zu müde. Und den vor Erscheinen der Platte auch medial viel beschworenen Mythos von der Band, der die musikalische Quadratur des Kreises gelang, sprich: die den Mut zur Veränderung aufbrachte, um sich selbst treu – und für ihr Publikum relevant – zu bleiben, mag man dann doch nicht glauben.

Indie Franz Ferdinand: Always Ascending. Domino Records (Goodtogo).