Letztes Update am Mi, 07.03.2018 13:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Donauinselfest

Kelly Family bescherte Österreich 1995 das bisher größte Konzert

200.000 vor allem jugendliche Fans waren 1995 beim Donauinsel-Gig. Die Teenie-Hysterie sorgte für einen Riesenaufwand für Sicherheit und Verpflegung.

© APA/TechtDer musikalische Höhepunkt des Donauinselfestes1995 war der Auftritt der Irischen Gruppe "The Kelly Family".



Wien - Wer sorgte für den bisher größten Andrang bei einem Popkonzert in Österreich? Die Stones, Michael Jackson oder Falco? Nein. 1995 versetzte die Kelly Family das Donauinselfest in einen Ausnahmezustand. 200.000 meist sehr junge Menschen drängten sich damals vor der großen Festbühne. Das ist bis heute ein Rekord - auch für die Band, die am Freitag nach etwas längerer Pause wieder nach Wien kommt.

Insgesamt gastierten die Kellys drei Mal am Donauinselfest, nämlich 1994, 1995 und 1998. Es waren nicht die einzigen Wien-Gigs der irisch-deutschen Familiencombo - aber jene mit dem größten Zustrom. Was nicht per se verwunderlich ist: Der Eintritt zu der von der SPÖ seit bereits 34 Jahren organisierten Inselparty ist frei. Dementsprechend kommen beim Fest allabendlich Zehntausende zur großen zentralen Stage.

Doch am 24. Juni 1995 wurden die gewohnten Dimensionen gesprengt. Es war jene Zeit, in der der gigantische Hype um die Kelly Family am größten war. Die Organisatoren des Donauinselfestes - also jedenfalls jene, die damals mit dabei waren - denken durchaus auch mit Schaudern an dieses Wochenende zurück. Viele Teenies kamen schon Stunden vor dem Konzert auf das Gelände, wie sich der Inselfest-Erfinder, der nunmehrigen Landtagspräsident Harry Kopietz, im APA-Gespräch erinnerte.

24 Stunden warten auf die Lieblingsband

Und Stunden, so berichtete er, bedeutete im Extremfall: 24 Stunden. Rund 1000 Kelly-Fans, zum Teil gerade mal zwölf oder 13 Jahre alt, verbrachten bereits die Nacht von Freitag auf Samstag auf der Donauinsel. Und sie begnügten sich nicht damit, einfach auf das Konzert zu warten, wie auch im Buch, das anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Events herausgegeben wurde, geschildert wird. Einige kletterten auf Bäume, um einen Blick auf den Backstage-Bereich zu erhaschen. Manche Mädchen klammerten sich sogar an den Tourbus, als dieser zur Festbühne fuhr - und ließen sich mitschleifen. Auch der Soundcheck der Musiker wurde bereits frenetisch bejubelt.

In Wien war man aber immerhin vorgewarnt. Tags zuvor mussten bei einem Konzert in Wels mehr als 400 kollabierte Kids und Teenager betreut werden. Die Sicherheitskräfte in Wien wurden entsprechend instruiert. Eines der Probleme, vor denen die Organisatoren standen: Um gute Plätze in den vordersten Reihen nicht aufzugeben, verzichteten viele aus der Fanschar darauf, aufs Klo zu gehen. Nur logisch: Um dorthin nicht gehen zu müssen, wurde trotz sommerlicher Temperaturen auch aufs Trinken verzichtet.

500 Kisten Obst, 1000 Liter Wasser

Doch ihnen wurde geholfen: Die Helfer karrten 500 Kisten Obst, 1000 Liter Wasser und Tee heran, um die hysterische Jungschar zu laben. Wer auf die Toilette musste, wurde herausgehoben und durfte danach wieder auf den alten Platz zurück.

Am Samstag um 6 Uhr früh appellierte auch ein - vermeintlicher - Rot-Kreuz-Mitarbeiter von der Bühne aus an die Kelly-Jünger, sich gesund zu ernähren. Sein Outfit war allerdings nicht echt, die Organisatoren holten die Polizei, die den Mann von der Bühne entfernte. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Krankenpfleger, der „einmal im Leben besonders wichtig sein wollte“, wie er laut Donauinselfest-Buch damals erklärte. Er durfte letztendlich bei der Verpflegung der Jugendlichen helfen.

Insgesamt waren an jenem Tag 160 Security-Kräfte und „eine ganze Armada“ von Sanitätern im Einsatz. Das Mega-Konzert ging schließlich ohne gröbere Zwischenfälle über die Festbühne. Die Bilanz fiel erfreulich aus: Es kollabierten nicht einmal halb so viele Menschen wie zuvor in Wels.

Rekord auch für die Band

Das zweite Konzert am Donauinselfest war auch das größte, das die Kelly Family je gespielt hat, wie einer der größten Stars der Gruppe, der einstige Teenie-Schwarm Patrick Michael „Paddy“ Kelly, kürzlich in der ORF-Sendereihe „FeierAbend“ berichtet hat. Der Musiker war übrigens einer der wenigen, die laut der Inselfest-Publikation an dem prinzipiell friedlichen Wochenende handgreiflich geworden sein sollen. Es wird berichtet, dass er einen Kameramann verprügelt hat, nachdem in einem Interview verbotenerweise Fragen über das Privatleben der Familienmitglieder gestellt worden waren.

Dass der Auftritt der zumindest teilweise wiedervereinten Kelly Family am kommenden Freitag in der Stadthalle ähnlich turbulent verläuft wie das legendäre Konzert 1995, ist nicht zu erwarten. Dafür wird wohl schon allein das inzwischen leicht fortgeschrittene Alter der Fans sorgen. Und es fehlt auch der einstige Superstar Paddy. Er ist genauso wie Maite oder Barby Kelly bei der Reunion nicht mit dabei - kommt allerdings solo im Mai nach Wien. (APA)


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