Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 22.04.2018


Konzert

Traumhaft, intensiv und gehirnumnebelnd

Das Tiroler Duo „Molly“ trat in der Innsbrucker Bäckerei auf.

© Luca GasserDas Tiroler Duo „Molly“ war in diesem Jahr für den Amadeus Award nominiert.Foto: Gasser



Innsbruck – Alles begann mit einer kurzen Pause. Die technischen Schwierigkeiten mit dem Keyboard wurden aber bald behoben. Dann starteten Molly ihr Quasi-Heimspiel in der Innsbrucker Bäckerei. Molly, das sind die Unterländer Musiker Lars Andersson und Philli­p Dornauer, die zuletzt auch für den im Rahmen der Amadeus-Gala vergebenen FM4-Award nominiert wurden.

In der Bäckerei präsentierten sie unter anderem ihre neue Single „No Soul Will Remember“. Davor freilich bauten Molly eine beständig aus ruhig wabernden Klängen komponierte Geräuschkulisse dafür auf. Dabei verwendete Gitarrist und Sänger Andersson später Drumstick und Pinsel, um die Saiten zu streichen. Molly versteht sich auch darauf, Musik zu malen. „No Soul Will Remember“ ist mit knapp sechs Minuten Spielzeit ein nachgerade klassischer Molly-Song: Nach gelassenem Start aus glockigen Gitarrenklängen schwingt es sich euphorisch auf zur Ode auf Verfall und Vergessen.

Traumhaft, gefühlvoll, intensiv und gehirnumnebelnd wirkt diese Musik und saugt den Zuhörer hinab in einen Strudel aus Fuzz. Dank Anderssons engelhafter Kopfstimme fühlt man sich an Erhabenes erinnert: an Kirchenorgel und Knabenchor. Man möchte in der Musik versinken. Bisweilen freilich regt sich der Wunsch nach unerwarteten Wendungen. Aber Molly frönen in ihren Songs der musikalischen Schwere und Langsamkeit. Mit „Slowly, slowly, slowly“ klang ein weiteres, neues Lied an, das auf ihrem Debütalbum erscheinen soll. Tanzbar ist anders, Molly ist Klangerfahrung für Sitzende. Schließlich kann man auch im Sitzen schaukeln und schwelgen. (lg)




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