Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 15.04.2018


Musik

Alle Leidenschaft für das Verbindende der Musik

© HauserSeidenweich: Mezzosopranistin Sophie Rennert.



Schwaz – Das Wiener Jeunesse Orchester feiert das 30-jährige Bestehen. Auf Einladung des Fördervereins der Landesmusikschule Schwaz gastierte der aus Musikern im Alter von 18 bis 26 Jahren bestehende Klangkörper erstmals in Tirol mit Gustav Mahler und Leonard Bernstein im Reisegepäck. Hintergrund des Jubiläumsprogramms: Mahler ging von Wien nach New York, um sein Werk dort populär zu machen. Bernstein tat es umgekehrt. Zudem sind Bernsteins Mahler-Interpretationen legendär. Zum Auftakt: Bernsteins „Candide“. Der in jedem Detail spürbare Glaube an die völkerverbindende Kraft der Musik, bildhaft idealer als von jungen Menschen zelebriert, kann man ihn wohl kaum erahnen. Jugendliches Temperament und beachtliche Klang­raffinesse zeigten die Suite als das Paradebeispiel des Wanderns über musikalische Grenzen. Fünf Lieder nach Gedichten von Friederich Rückert und die junge, 2016 mit dem Publikumspreis des Cesti-Wettbewerbs 2016 ausgezeichnete Mezzosopranistin Sophie Rennert präsentierte sich als würdige Mahler-Interpretin. Seidenweich, voll von Leidenschaft und bitter-süßem Schmerz, weiß sie zwischen ungestümer Todessuche und friedvollem Hinübergleiten zu differenzieren. Mahlers bizarre 5. Symphonie, ästhetisierend, auf Wohllaut und Transparenz ausgerichtet der Ansatz, voll von extremen desperaten Gefühlslagen.

Überall lauert die Gefahr, nicht nur für Jung­musiker, unter die Räder dieses Mahl(er)werks zu geraten. Doch Dirigent Marc Piolle­t führte die Jugend souverän. Keine Experimente, „texttreu“ im besten Sinn des Wortes. (hau)