Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.04.2018


Meisterkonzert

Das Pflänzchen Hoffnung

Der deutsche Klarinettist Sebastian Manz begeisterte beim 6. Meisterkonzert.

Applaus gab es für den Solisten Sebastian Manz am Mittwoch Abend auch aus den Reihen seiner Mitspieler.

© HauserApplaus gab es für den Solisten Sebastian Manz am Mittwoch Abend auch aus den Reihen seiner Mitspieler.



Von Markus Hauser

Innsbruck – Im Grunde seiner so weiten musikalischen Seele muss der mit dem ARD-Preis ausgezeichnete deutsche Klarinettist Sebastian Manz auch ein Jazzmusiker sein. Wie er es versteht, zwischen den Zeilen zu lesen, wie er jeden Millimeter Freiraum entlang der notierten Vorgabe für die persönliche Gestaltung eines Werkes wie das 2. Klarinettenkonzertes Es-Dur op. 74 von Carl Maria von Weber nutzt, vermittelt Lebensfreude pur.

Da zeigte sich einmal mehr ein Meister beim 6. Meisterkonzert im Congress Innsbruck. Manz ist Sänger auf seiner Klarinette. Raffiniert abtönend, mit vollem, rundem Klang lotet er schwerelos das Tiefempfindsame dieser Musik aus. Bravourös schießen seine Hochpräzisionskoloraturen heraus. Alle Poesie des Werkes entdeckend, lockte er das Publikum und die Musiker des Berner Symphonieorchesters unter Mario Venzago zum unwiderstehlichen Flirt heraus.

Ein klein wenig mehr von dieser intimen Vertrautheit hätte man sich vielleicht zu Beginn in Felix Mendelssohn-Bartholdys „Meeresstille und glückliche Fahrt“ Konzert-Ouvertüre op. 27 MWV P 5 gewünscht. Es wären sieben fette Jahre gewesen, seit er in Bern sei, meinte Mario Venzago. Sollte das der Anfang der sieben mageren Jahre gewesen sein, so ließe es sich damit extrem gut leben.

In seiner in den letzten Kriegsjahren entstandenen Symphonie Nr. 3 (Lithurgique) lässt Arthur Honegger den gesamten Klangapparat als alles vernichtende Kriegsmaschinerie das Letzte an Menschlichkeit niederwalzen. Doch über allem das zarte Pflänzchen Hoffnung.

Venzago und seine Berner finden Ausdruck und Seele mit ereignishaftem Klang. Ideal dazu in Beziehung gesetzt Ludwig van Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 op. 72a. Eine Mischung aus Detailverliebtheit und Ausdrucksemphase, nicht bloß schöner Schein, sondern ganz Beethoven, menschliche Leidenschaft, die Leiden schafft.

Die Zugaben: Manz lässt hören, was Strawinsky hörte, als er Sidney Bechet hörte, und dann noch einmal packende Emotionen mit Finlandia von Jean Sibelius.


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