Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.04.2018


Musik

Autotune im Antistyle: Yung Hurn im Treibhaus

Trashbeats, kaputte Rhymes und riesige Fanbase: das Phänomen Yung Hurn im Treibhaus.

© un attimo PhotographieKrönender Abschluss der Clubtour: Yung Hurn in Innsbruck.



Innsbruck – Inzwischen nennen sie ihn Avantgarde. Revolutionär des Austro-Hip-Hops. Klickzahlen im siebenstelligen Bereich liefern die Bestätigung. Interviews an der Seite von Daniel Richter und auf Arte sind der Ritterschlag. Fix ist: Yung Hurn ist ein Phänomen. Wann der Trash seinen Weg hoch in den musikalischen Mainstream gestartet hat, bleibt die Frage. Und der Rapper lieb­äugelt bereits mit dem Ende.

Das Ende seiner aktuellen Clubtour brachte Yung Hurn am vergangenen Sonntag aber erstmals ins Treibhaus. Organisiert von Weekender-Veteran Andy Franzelin, war das Konzert bereits seit Monaten ausverkauft. Ohne große Kampagne, ohne Plakate. Trotzdem waren die 500 Karten in Kürze vergriffen. Und das Feilschen mit Restkarten auf den unterschiedlichsten Plattformen war nur ein Vorgeschmack auf das ganz große Remmidemmi, das beim Gig stattfinden sollte.

Die eingefleischte Fanbase unter 20 und einzelne Schaulustige drängten sich vor die Bühne, um ihn zu sehen. Yung Hurn, der Wiener Rapper, der weniger durch besondere Fähigkeiten, sondern vielmehr durch Anti-Begabung auffällt: Seine Stimme schreit nach Auto-Tune, die Rhymes sind verstümmelter Kommunikationsmüll und die Beats höchstens Durchschnitt. Trap-Trash in seiner höchsten Konzen­tration. Trotzdem ist für Yung Hurn auch in Innsbruck das Ding bereits im Kasten: Das Publikum zeichnet sich durch hundertprozentige Textsicherheit und exzessive Tanzwut aus. Mitsamt seinen Supportern Caramelo, Blondey und Johnny5 entsteht also eine improvisierte Show. Lex Lunger bestellt das Set, wie aus der Pistole kommen die Hits: „Ok cool“, „Bianco“ und „Nein“ werden ebenso abgefeiert wie unbekanntere Nummern. Atmosphärisch wird es bei „Diamant“ (im Video übrigens mit Gastauftritt von Lars Eidinger), das stark nach Gitarrenmusik riecht.

Ob das auch Zukunftsmusik für Yung Hurn ist, bleibt offen. Der Wiener bleibt trotzdem das Phänomen der Stunde. (bunt)




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