Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.04.2018


Exklusiv

Herbert Pixner: „Ich arbeite auf eigenes Risiko“

Herbert Pixner wendet sich neuen Klangwelten zu: epische Soundteppiche wie früher Pink Floyd. Ein Gespräch über sein Selbstverständnis und darüber, warum er Konzerte am liebsten selbst organisiert.

© Rudy De MoorHerbert Pixner tritt mit der eigens zusammengetrommelten „Italo Connection“ am 6. Mai in Imst auf. Mit neuer CD und dem „Herbert Pixner Projekt“ ist er ab Ende Juli wieder auf Tournee.



Innsbruck, Imst — Als Wegbereiter einer „neuen Volksmusik" hat sich der Südtiroler Herbert Pixner (42) einen Namen — und zwar in großen Lettern — gemacht: bisher mehr als 1000 ausverkaufte Konzerte im deutschsprachigen Raum, vom kleinen Dorf-Gig bis zur Hamburger Elbphilharmonie. Mit dem Herbert Pixner Projekt, bestehend aus noch drei weiteren Musikern, arbeitet der Bandleader aktuell an einer neuen CD. Musikalisch werden neue Wege beschritten; live zu hören ist diese Produktion ab Ende Juli bei einer längeren Tournee.

Zuvor führt der in Innsbruck lebende Pixner aber für vier Konzerte, darunter beim Tschirgart Festival in Imst am 6. Mai, eine „Italo-Connection" an. Die TT traf den umtriebigen Musiker, um Genaueres zu erfahren.

Medien sind erfinderisch, um Sie als Musiker zu beschreiben. Von „Frank Zappa in der Lederhose" bis „Jimi Hendrix der Volksmusik" reicht die Fantasie. Wie sehen Sie sich selbst?

Herbert Pixner: Ich lasse mich in keine Schublade stecken, beschreiben sollen mich gerne andere. Aber ein Vergleich mit Frank Zappa ehrt mich natürlich. Zum Glück vergleicht mich niemand mit Andreas Gabalier.

Neue Volksmusik — trifft diese Beschreibung auf Ihre Musik noch zu?

Pixner: Ich würde eher von progressiver Volksmusik sprechen. Das Herbert Pixner Projekt führt Elemente aus Jazz, Funk und Blues zusammen. Aus der Volksmusik stammen nur die Instrumente wie meine diatonische Harmonika oder Kontrabass, Harfe und Gitarre. Zusammen ergibt das eine sehr eigenständige Klangwelt.

„Jazz is dead" lautet launig das Motto Ihres kommenden Auftrittes in Imst mit der „Italo Connection". Ist der Jazz wirklich hinüber?

Pixner: Zappa hat ja gemeint „Der Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch". Und wirklich: Der Jazz macht sich kaputt, wenn er einen auf intellektuell macht. Ich brauche beim Musizieren ein unterhaltsames Element. Es muss Spaß machen. Das versuche ich mit der „Italo Connection" zu vermitteln. Ich habe für diese Connection sechs befreundete Musiker aus Südtirol — Italiener, Ladiner und Deutschsprachige — für vier Auftritte zusammengebracht.

Steht das Programm schon fest?

Pixner: Diese Musiker sind viel unterwegs. Also konnten wir bisher nur einmal proben. Das muss reichen. Wir werden in Imst viel improvisieren. Italienische Schlager und Klassiker wie „Volare" oder „Bella ciao" sowie Musik von Ennio Morricone bilden den Schwerpunkt unseres Akustikprogramms.

Mit dem „Herbert Pixner Projekt" haben Sie jetzt einige Monate pausiert — zu Erholungszwecken?

Pixner: Das Herbert Pixner Projekt bleibt natürlich meine Hauptband. Wir haben zuletzt bis zu 180 Auftritte pro Jahr gehabt. Das wollen wir jetzt reduzieren — auf 60 im Jahr. Ab Juli spielen wir deshalb in größeren Konzerthäusern mit 800 bis 3000 Plätzen. Viel größer soll es aber nicht mehr werden. Ich brauche den Kontakt zum Publikum. Technisch werden wir einen größeren Aufwand betreiben. Vier Stühle auf der Bühne — das war es beim Pixner Projekt bisher. Bei der Tour 2018 werden uns erstmals ein Licht- und ein Tontechniker unterstützen. Und ein eigenes Videokonzept soll die Konzerte ergänzen.

Das klingt nach einer ausgezeichneten Geschäftsentwicklung, wenn man das im Musik-Business so sagen kann.

Pixner: Wir haben bisher in etwa 100.000 Tonträger verkauft, ich habe dazu ja ein eigenes Platten-Label — „Three Saints Records" — gegründet. 100.000 ist eine ganze Menge, dazu noch all die Auftritte in vollen Hallen. Die Finanzen behalte ich höchstpersönlich im Auge. Wir organisieren die Konzerte unserer Tournee in der Regel selbst — von der Saalanfrage und -buchung bis zur Abwicklung der Auftritte.

Bedeutet das nicht einen enormen Zusatz-Aufwand, als Musiker die eigene Tournee selbst auf die Beine zu stellen?

Pixner: Mein Frau unterstützt mich, und es gibt sechs weitere Mitarbeiter, die sich um die Organisation kümmern. Bis auf wenige Ausnahmen sind wir als Veranstalter selbst verantwortlich — auf eigene Rechnung und Risiko. Ich möchte einfach nicht für blöd verkauft werden. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Musiker von Plattenlabels oder Veranstaltern in finanziellen Belangen über den Tisch gezogen werden.

Wie weit ist die Arbeit an der neuen CD gediehen?

Pixner: Weit. Das Album kommt Anfang Juli raus. Es wird sich musikalisch markant von den Vorgängern unterscheiden, so viel kann ich schon vorwegnehmen.

Herbert Pixner erfindet sich neu?

Pixner: Ich würde es anders sagen: Ich mache die Musik, die ich spüre und die mir gefällt. Das neue Album ist der komplette Abschied von der Volksmusik: sehr episch angelegt, mit langen Solos. Es ist eine Art Konzeptalbum zum Thema Alpen, ein musikalischer Klangteppich mit psychedelischen Elementen wie die frühen Platten von Pink Floyd. Wir setzen durchgängig die E-Gitarre ein und arbeiten mit verzerrten Effekten. Es kann sein, dass sich dieses Album nicht so gut verkauft wie die letzten, aber dieses Risiko gehe ich ein.

Das Interview führte Markus Schramek

Steckbrief

Gesangskünstler Bobby McFerrin eröffnet am 28. April mit der A-cappella-Formation „Circlesongs“ das Tschirgart Jazzfestival in Imst.

Kabarettist Gerhard Polt, musikalisch begleitet von den „Wellbrüdern aus’m Biermoos“, bietet am 4. Mai „Gehobene Unterhaltung mit humanitärem Beigeschmack – im Abgang nachtragend“.

Herbert Pixner und die „Italo Connection“ treten am 6. Mai auf, um dem Jazz, der angeblich tot ist, die letzte Ehre zu erweisen.

Helge Schneider kommt am 9. Mai nach Imst. Das Programm des schräg unterhaltsamen musikalischen Multitalents klingt verheißungsvoll: „Eine Mene Mopel“.

Infos unter www.artclubimst.at. Veranstaltungsort ist die Konzerthalle Glenthof in Imst.