Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.05.2018


Schlagerstar in Tirol

Atemlos sechs Stunden durch die Nacht — für Helene in Ischgl

Ein wahrer Helene-Fischer-Fan reist nicht nur zu ihrem Konzert, sondern bereitet sich darauf vor: Die TT hat auf der Ischgler Idalp Bastler ebenso wie Frühaufsteher getroffen.

© zeitungsfoto.atOffenbar war die Vorfreude der Fans auf Helene Fischers Konzert auf 2300 Metern so groß, dass sie ihre Outfits schon lange im Voraus planten.



Von Judith Sam

Ischgl — Sandra Weis' Tag hat früh begonnen: „Meine Mädels haben mich um 1.30 Uhr nachts mit dem Lied ,Atemlos' geweckt. Wir machen nämlich nicht Polterabend, sondern Polterurlaub."

Ein "Helene-Fischer-Ultras"-Fan in Ischgl.
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Sechs Stunden sind Weis und ihre 17 Freundinnen mit dem Bus aus der deutschen Stadt Heilbronn nach Ischgl gefahren, um Helene Fischers Auftritt auf der Idalp zu bewundern. Skier haben sie nicht dabei — ein Fehler, wenn man sich die gut präparierte Pisten und das perfekte Wetter ansieht.

„Einige von uns können nicht Ski fahren", erklärt die Braut in spe: „Egal. Es geht um die Stimmung und die ist bei Helene immer der Kracher!" Kein Wunder, wenn die Freundinnen schon vormittags mit Schnaps anstoßen. „Das ist kein Schnaps!", berichtigt eine von ihnen bestürzt: „Das ist Likör." Wie auch immer.

Der Frosch wollte von Helene geküsst werden.
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Auf der 2300 Meter hohen Idalp ist die Stimmung ebenso ausgelassen. Erstaunlich wenige Konzertbesucher haben Skier bei sich — darum sind die Pisten trotz 26.000 Besuchern angenehm zu befahren. Rund geht es erst, wenn man das Besucherareal betritt. Manche Fans warten seit acht Uhr Früh auf 2300 Metern. Sie haben sich Podeste aus Schnee gebaut, um Helene Fischer besser sehen zu können. Andere dösen — hoffentlich gut mit Sonnenschutz eingecremt — in mitgebrachten Liegestühlen.

Zwischen ihnen steht „Favo" — ein Urlauber aus der deutschen Stadt Winterkasten. Er hat sich als Frosch verkleidet und eigens ein Plakat für Fischer gebastelt: „Darauf steht, dass sie mich küssen soll. Aber unter uns: Ich bin gar kein Prinz. Ich steh' nur auf ihre Musik. Was ihr Aussehen angeht, kann ich nur sagen: Ich bin verheiratet. Da interessiert mich ihr Look nicht." Seine Frau lächelt geschmeichelt. Zu Recht.

Die Fans reisten teilweise in verrückter Aufmachung an.

Ob für Christoph Stahl, der mit seinen neun Kumpels Junggesellenabschied feiert, Fischers Aussehen auch Nebensache ist? „Bestimmt nicht! Ich find' die Helene megageil! Und die ?röhrt' ganz schön. Oder sagen wir besser so: Frau Fischers Stimme ist überragend", erklärt der Heilbronner.

Neben ihm bricht gerade leichte Panik aus. Ein junger Mann findet offenbar seine Bierflasche nicht mehr, die er zum Kühlen im Schnee vergraben hat. „Ein Opfer an die Wettergötter", kommentiert er großzügig.

Die „Zimmerer", wie sie sich nennen, haben diesbezüglich kein Prolem. Sie haben sich einen Platz direkt an der Schneebar reserviert. Die sieben Männer aus Freiburg urlauben jedes Jahr zweimal in Ischgl: „Und als wir gehört haben, dass heuer die Helene auftritt, haben wir sofort gebucht. Klar ist die Bühnenshow hier nicht ganz so imposant wie bei ihrer Hallentour. Aber es geht um die Stimmung. Und die kann ja bei diesen Rahmenbedingungen kaum besser sein." Recht hat er.

Hauptsache der Biernachschub bricht nicht ab!
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