Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.05.2018


Musik

Ladestation für den Nostalgie-Akku

STS-Drittel Gert Steinbäcker verzückt seine Fans in Innsbruck mit dem Sound aus deren jüngeren Jahren.

© ImagoHat noch Bock auf Steirer-Rock: Gert Steinbäcker (65).



Von Markus Schramek

Innsbruck – Manches Mal, da g’spürt man, zumal als Nos­talgiker mit schon vielen Jahresringen, einen Heißhunger auf Austro-Pop. Zum besseren Verständnis für junge Menschen: Das ist U-Musik in österreichischer Mundart aus dem letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, so richtig mit Instrumenten, Strophen und Text. Sehr retro, zugegeben. Zu wem aber kann man heute noch gehen, um solche Musik zu Ohren zu bekommen? Zum Gabalier? „Geh, bitte!“ Zum Danzer? „Leider schon lange tot.“ Zum Ambros? „Lebt der noch?“

Da trifft es sich gut, dass der Steinbäcker Gert in der Stadt ist so wie am Samstag in Innsbruck. Er ist das letzte noch recht bühnenaktive Drittel der einstigen Hitfabrik STS. Mittlerweile zählt der steirische Sänger, Gitarrist und Songschreiber auch schon 65 Lenze. Fünf Soloalben hat er im Repertoire, dazu eine Großsammlung von Gassenhauern aus STS-Tagen. Das sollte reichen, um den Nos­talgie-Akku der Fans grün zum Leuchten zu bringen.

Etliche Plätze bleiben im Saal Tirol des Congress leer. Schade eigentlich. Denn Herr Gert und seine pipifeine Fünf-Personen-Band zeigen sich in schönster Spiellaune.

Ulli Bäer, nur so als Beispiel, behandelt E-Gitarre und Akustikgerät gleichermaßen hochgradig. Er ist wohl einer der am meisten unterschätzten Musiker des Landes und auch stimmlich immer noch ziemlich herzeigbar.

Einzige – auch deutlich jüngere – Frau in Steinbäckers 50plus-Kapelle ist die feinfühlige Tiroler Hackbrettspielerin und Keyboarderin Maria Ma. Steinbäcker selbst war nie ein stimmliches Wunder und wird auch keines mehr. Rau und erdig kommt er herüber, aber eben auch gänzlich ungekünstelt oder auffrisiert.

Vor der Pause geht es recht „sitz“-sam zu. Die Band spielt locker vom Hocker, und auch das Publikum bleibt auf den Sesseln kleben, altersgemäß vielleicht, denn das Gros der Zuhörer befindet sich längst im besten Mittelalter.

Aber jung waren wir alle einmal. Und wie man feiert, daran können wir uns noch erinnern. Steinbäcker und Co. geben dazu den musikalischen Impuls. Sie beglücken ihre Fanschaft nach der Halbzeit mit einer Art Hitparade. Songs wie „Die Sunn übern Meer“, „Kalt und kälter“, „Großvater“ oder die gesangliche Ode an die „Steiermark“ sorgen für viel Bewegung im Saal. Es hat sich ausgesessen. Jetzt wird getanzt und lauthals mitgesungen. Textliche Nachhilfe braucht fast keiner.

Geht es noch nostalgischer? Ja! Bei „Fürstenfeld“, der Mutter aller STS-Hits, steht plötzlich der 71-jährige Sänger Schiffkowitz leibhaftig auf der Bühne. STS ist für kurze Zeit zu zwei Dritteln komplett.

„Langsam find’ der Tag sei End’“ – und auch das Steinbäcker-Gastspiel in der Stadt am Inn. Für viele war es eine sentimentale Reise in die Vergangenheit, unterlegt mit dem Sound ihrer Jugend.




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