Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Konzert

Mit strahlendem

Haydn-Optimismus

„Die Schöpfung“ zum 20-Jahr-Jubiläum von Cultura Sacra und der Akademie St. Blasius in Götzens.

© Gebündelter Idealismus: Die Akademie St. Blasius und Cultura Sacra feierten gemeinsam Geburtstag.Foto: Rabeder



Von Ursula Strohal

Götzens – Da war eine Menge Idealismus gebündelt am Sonntag in der Wallfahrtskirche von Götzens. Im Verein Cultura Sacra, der seit zwei Jahrzehnten trotz schwankender finanzieller Basis unbeirrbar bleibt, Sakralmusik pflegt und neu anregt und primär heimischen Künstlern ein Forum bietet.

Andererseits: die Akademie St. Blasius mit Orchester und Chor, ebenfalls pekuniär nicht eben verwöhnt, vielseitig im Repertoire, Komponisten fordernd und fördernd, konsequent seit zwanzig Jahren.

Ein doppeltes Jubiläum also, das mit Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gefeiert wurde, mit zwei Aufführungen, in Südtirol und vor übervollem Haus in Götzens, am Ende stürmisch gefeiert. Bis in die höchste Stuckatur schien der Raum mit den vielen Menschen erfüllt von der Schönheit, der Bewegtheit und dem Optimismus dieses Werkes.

Die einleitende „Vorstellung des Chaos“ gehört zu den spannendsten und nicht eben einfachsten Haydn-Übungen, das wurde am dritten Aufführungstag von St. Blasius hörbar, bevor das Orchester sein gewohnt beachtliches Niveau präsentierte. Karlheinz Siessl gab in seiner unprätentiösen Art die Strukturen vor, fand natürliche, eher zügige Tempi, da gab es weder Übertreibung noch Sentimentalität, der Auftritt von Adam und Eva schwang sich geradezu überraschend ein. Das Kammerorchester, fast nahtlos nah am Publikum, erzählte die Schöpfungsgeschichte mit der Raffinesse, unwiderstehlichen Naivität und doch so hohen Kunstfertigkeit, die Haydn aufgeboten hat. Die kleine Besetzung schuf einen transparenten, schlanken Klang, aus dem die delikaten Holz- und saftigen Blechbläser farbenreich beredt ihre Geschichten erzählten von der Erschaffung der Welt, der Natur und ihrer Bewohner. Und wenn es so weit war, konnte sich das Orchester dramatisch verdichten. Fein Lorenz Benedikt am Cembalo und Barbara Riccabona am Violoncello.

Da erhob sich der ebenfalls professionell besetzte Chor aus dem Altarraum nicht separiert, wie so oft, sondern wie ein Teil des Ganzen, homogen, dynamisch und klanglich differenziert, zurückgenommen und auch sehr präsent. Susanne Langbeins Gabriel und Eva hatten Jubel ebenso wie Innigkeit, Patrik Reiters Tenor (Uriel) zeigte sich versiert im Oratoriumston. Andreas Mattersbergers Bassbariton, auch Adam, lieh dem Raphael Autorität sowie Zärtlichkeit gegenüber dem Naturerwachen.