Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.05.2018


Musik

Meisterhafter Halt für neue Töne

Mit US-Komiker Bill Murray landete Cellist Jan Vogler einen Welterfolg: Heute gastiert er in Innsbruck.

© imagoJan Vogler und sein Stradivari-Cello „Castelbarco/Fau“ aus dem Jahr 1707. Vogler ist Leiter der Musikfestspiele Dresden.



Innsbruck – Ein Cello im Handgepäck fällt auf. Es sorgt für Gesprächsstoff – und macht selbst abgebrühte Hollywood-Hasen neugierig. Wie er denn mit dem unhandlichen Koffer durch den Sicherheits-Check kommen möchte, wollte US-Komiker Bill Murray vom deutschen Cellisten Jan Vogler am Flughafen Berlin wissen. Vogler erkannte Murray zunächst nicht. Vielleicht hat sich gerade deshalb aus der anfänglichen Witzelei ein angeregtes Gespräch entwickelt. „Der Zufall kann vieles verhindern, diesmal setzte er einen kreativen Schub in Gang“, sagt Vogler. Es folgten weiter Treffen, während denen ein verwegener Plan Gestalt annahm. Eine gemeinsame Show: Kammermusik und Literatur, Kompositionen von Bach bis Bernstein und Texte von Hemingway, Mark Twain und Walt Whitman. „Als ich das Murray, via SMS, vorschlug, kam ein knappes ‚I’d love that‘ zurück“, erinnert sich der 54-Jährige. Der Rest ist schnell erzählt: „New Worlds“ wurde zum Welterfolg, das dazugehörige Album zum Kritikerliebling. „Für mich war ‚New Worlds‘ ein wegweisendes Projekt“, sagt Vogler, „es hat mich daran erinnert, worum es wirklich geht: um Vermittlung großartiger Musik.“ Auch sein aktuelles Album, das dieser Tage erschienene „Double Concertos“, sei Frucht dieses Aha-Moments: Drei Stücke für Cello, Geige und Orchester, wobei ein Meisterwerk – Brahms’ Doppelkonzert Op. 102 (1887) – von zwei zeitgenössischen Kompositionen – Wolfgang Rihms Duo Concerto (2015) und John Harbisons Double Concerto (2010) – flankiert ist. „Brahms gibt den neuen Tönen Halt, die Stücke stützen sich gegenseitig“, so der vielfach ausgezeichnete Cellist. Gerade für die Neue Musik seien solche Kombinationen eine große Chance: „Solange Neue Musik in ihrer Nische bleibt, bleibt sie vielen unzugänglich. Holt man sie aus dieser Schublade und setzt sie in einen neuen Kontext, kann sie ihre Kraft wirklich entfalten.“

Eingespielt hat Vogler „Double Concertos“ mit seiner Frau, der Violinistin Mira Wang, und dem Royal Scottish National Orchestra unter Peter Oundjian. Mit Letzeren gastiert er heute im Rahmen der Innsbrucker Meisterkonzerte im Congress. Gemeinsam mit Nicola Benedetti (Violine) und Martin Stadtfeld (Piano) werden sie sich Beethovens Tripelkonzert widmen. (jole)

Klassik Jan Vogler, Mira Wang: Double Concertos – Brahms, Rihm, Harbison. Sony Classics.