Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.05.2018


Musik

Die Saite riss, der Faden nie

Das Kabarett-Duo Pizzera & Jaus begeisterte bei seinem Innsbruck-Gastspiel.

© xx„Ehrlich plärrt am längsten“: Paul Pizzera (l.), Otto Jaus. Foto: Ulrike Rauch



Innsbruck – Wenn „brochene Versprechen“ nichts als „gesprochene Verbrechen“ sind, wenn das Ego „wie Lego“ auseinandergenommen wird – dann stecken zumeist Paul Pizzera und Otto Jaus dahinter. Der eine: ein Germanist aus Deutschlandsberg, der seine steirischen Wurzeln bei aller Eloquenz nicht verleugnen kann (und will). Der andere: ein Schauspieler aus Mistelbach, ehemals Wiener Sängerknabe und einen Kopf kleiner. Was die beiden Hitparaden-Stürmer am Freitag und Samstag bei ihrer „unerhört solide“-Tour in den jeweils ausverkauften Innsbrucker Congress zauberten, schien auf den ersten Blick nicht zuordenbar. Kabarett ja. Ein Konzert aber auch. Es entsponn sich ein Dialog über Liebe und das Frauenbild, das „bitte nicht so wie das von Felix Baumgartner ist“. Also chauvinistisch. Und doch sind es Klischees, derer sich der zynisch-analytische Pizzera und sein schmachtend-sentimentaler Bühnenpartner Otto Jaus bedienen. „Wo andere ein Herz haben, hast du einen Duden“, beschimpft der Kleingewachsene den selbsternannten „Mann von edlem Geist“. Ein amüsantes Wechselspiel, das zweimal 50 Minuten den Spannungsbogen darstellt. Und als die Spannung zu viel war, als Paul Pizzeras G-Saite plötzlich riss, da ließ sich der Steirer das nicht anmerken, er improvisierte zum Gaudium der Leute auf seinen fünf verbliebenen weiter.

Auf tiefgründige Feststellungen folgten seichte Gstanzln, das Cohen-Cover „Pralle Julia“ (im Original: Halleluja) trieb so manchem die Röte ins Gesicht. Der Hit „Absätze und Hauptsätze“ über das Paarungsverhalten der Hautevolee lud zum Mitsingen ein, „Wonnst schlofst“ war etwas fürs Gemüt. Ein bisschen Roland Düringer, ein bisschen Josef Hader.

Nach der dritten Zugabe schienen alle zufrieden, die den Congress verließen: die trachtig angezogenen Gäste, die Kinder, die bis zur finalen Unplugged-Einlage von „Mama“ nie einschlafen wollten, und die mit Anzug, die sich am Schluss lautstark an Standing Ovations beteiligten.

„Ehrlich plärrt am längsten“, meinen Pizzera und Jaus in „Wonnst schlofst“. Möglicherweise liegt das ihrem Erfolg zugrunde. (floh)