Letztes Update am Mi, 23.05.2018 22:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


25. Jubiläum

Klangspuren Schwaz setzen auf künstlerische Hybridformen

Das Festival für Neue Musik findet in diesem Jahr vom 6. bis 22. September statt.

© TENMTiroler Ensemble neue Musik“, kurz TENM.



Schwaz – Die „Klangspuren Schwaz“ setzen im 25. Festivaljahr und dem letzten Jahr unter dem künstlerischen Leiter Matthias Osterwold unter anderem auf hybride Musik- und Kunstformen. So wird es beispielsweise ein Musiktheater aus der Feder des Mexiko-Tirolers Arturo Fuentes oder „Laute Bilder“ von Christof Dienz geben. Eröffnet wird am 6. September, zu Ende geht das neutönende Festival am 22. September.

Der rote Faden des üppigen Jubiläums-Programms zeigte sich jedenfalls recht schnell. Ebenso gut wie „Feste. Orte.“ hätte man das diesjährige Programm auch mit „überraschend bleiben“ überschreiben können. Nicht umsonst erinnerte der heutige Bürgermeister und einstige Kulturreferent der Stadt Schwaz, Hans Lintner, bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Schwaz daran, dass es damals in der Gründungszeit ebensolche „überraschenden Töne“ beim ersten Eröffnungskonzert gegeben habe.

Musik, die „laut und wild ist“

Kontinuität wird in dieser Hinsicht offenbar groß geschrieben. So wollte Osterold etwa die Schweizer Improvisations-Könner „Steamboat Switzerland“ als eine seiner „Lieblingsbands“ verstanden wissen. Ganz im Sinne seines ästhetischen Anspruchs, die „lebendige Präsenz der aufgeführten Musik“ in den Mittelpunkt zu rücken, steht dieser Act für Musik, die „laut und wild“ ist und darüber hinaus Improvisation und Komposition hybridisiert und geschickt vereint.

Ein ungewöhnliches und Kunstgrenzen überschreitendes Projekt ist auch „Carlotas Zimmer“ von Arturo Fuentes, bei dem der in Hall lebende Mexikaner sowohl komponiert als auch inszeniert. „Mich interessieren weniger die narrativen Elemente, sondern die poetischen Aspekte“, meinte Fuentes dazu. Bei dem Musiktheater, das auf Texten von Fernando del Paso aus dem Buch „Nachrichten aus dem Imperium“ basiert, werden etwa eine Badewanne oder ein Bett als Bühnenbild fungieren. So viel verriet Fuentes – jedenfalls etwas kryptisch – schon vorab.

Geräusche von Film-Apparten und Dia-Projektoren

Ebenfalls aus dem Rahmen fällt „Laute Bilder“ von Christof Dienz, bei deren Aufführung auch das „Tiroler Ensemble neue Musik“, kurz TENM, mit dabei sein wird. Die Geräusche von Film-Apparaten und Dia-Projektoren werden in diesem Stück verstärkt und treffen auf allerhand Elektronik, etwa von Schlagzeuger und Rapper Lukas König oder Dienz selbst in die Waagschale geworfen, dessen Fagott „elektronisch erweitert“ fungieren soll, wie Harald Pröckl, Leiter von TENM, anmerkte.

Neben diesen Erweiterungen und Öffnungen der „Klangspuren“ hin zu einem Publikum, das womöglich gar nicht zwingend eine Affinität für „Neue Musik“ haben muss, bietet man aber wieder allerhand Altbewährtes und Liebgewonnenes an. Daran, dass das „Tiroler Symphonieorchester Innsbruck“ (TSOI) das Festival eröffnet, wurde ebenso wenig gerüttelt wie an der musikalischen Pilgerwanderung, die dieses Mal von Jenbach bis zur Stadtpfarrkirche Schwaz führen und abermals vom Jakobswegforscher Peter Lindenthal und seinem Hund Arvo geführt werden wird. Dass man der Komponistin Rebecca Saunders, dieses Jahr „Composer in Residence“, einen ganzen Abend widmet und auch an sonstigen Abenden einige ihrer Kompositionen zur Aufführung bringt, liegt ebenfalls in der Natur der Sache und der langjährigen Klangspuren-Tradition. (APA)