Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 27.05.2018


Musik

Tiroler Symphonieorchester: Feurig und bilderreich inspiriert

Großes Programm im Konzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck im Congress.

© imago/Sven SimonGrandioser Auftritt von Linus Roth in Innsbruck.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Er hat die Erscheinung, die Energie und die Bewegungsfreude eines jungen Mannes, nur viel mehr Erfahrung in der Orchesterleitung. Der estnische Dirigent Mihkel Kütson, 46, ging mit dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck durchs Mai-Konzert und hatte mit den Musikern – und dem Publikum – ein forderndes Programm zu durchmessen.

Vor Weinberg, Liszt und Strawinsky hätte Joseph Haydns Symphonie in A-Dur, Hob. I:59, ein typisches Einspielstück sein können, aber dazu ließ man sich nicht verführen. Es wurde in entsprechender Besetzung federnd, pointiert und elegant musiziert. Gefolgt von der Tiroler Rehabilitierung des Mieczyslaw Weinberg (1919–1996). Der fast vergessene, in Moskau lebende polnische Komponist wird seit der Aufführung seiner Oper „Die Passagierin“ bei den Bregenzer Festspielen 2010 wieder mehr gespielt. In Innsbruck war nun sein großartiges g-Moll-Violinkonzert mit dem dramatischen, dunklen Grundpuls zu hören, ein anspruchsvolles Werk voller Überraschungen, raffiniert instrumentiert in eigenständiger Sprache. Das Publikum des Freitag-Konzertes reagierte begeistert, vor allem auch auf den grandiosen deutschen Solisten. Linus Roth, der die vier Sätze beinahe durchzuspielen hat, ist ein brillanter Techniker mit berückendem Ton, konzentriert viriler Ausstrahlung und einer souveränen Musikalität.

„Feuer“ war das Motto dieses 7. Saisonkonzertes, da dockte nach Haydns „Feuersymphonie“ Franz Liszts symphonische Dichtung „Prometheus“ vom Stichwort her natürlich an, und dann nicht weniger als auch noch Igor Strawinskis „Der Feuervogel“. Toll gespielt, wirkungsvoll aufgebaut in den Kontrasten und den Soli (wie auch bei Haydn: Horn!), farben- und bilderreich.