Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.05.2018


Musik im Riesen

Existenzielles Spiel

voll Licht und Farbe

Das französische „Quatuor Ébène“ eröffnete die 15. Auflage von „Musik im Riesen“ mit Musik von Beethoven und Fauré.

© Swarovski Kristallwelten„Musik im Riesen“ mit dem „Quatuor Ébène“. Das Ensemble bereitet für 2020, wenn es seinen 20. und Beethovens 250. Geburtstag feiern wird, die gesamten Streichquartette Beethovens vor.



Wattens – Geistreich, sprühend, elektrisierend – das Quatuor Ébène war da und läutete im Bauch des Riesen ein kleines Jubiläum ein. Mit Opus 18 Nr. 3 und Opus 59 Nr. 3 war der Aufbruch des jungen Beethoven in den Streichquartett-Olymp markiert und mit dem 1924 entstandenen Quartett in e-Moll op. 121 von Gabriel Fauré ein Lebensabschied. Vollendet, wie das Ebenholz-Quartett dieses Alterswerk spielte, in dichter Verzweigung der melodischen Linien, melancholisch und doch voller Licht war diese Programmierung keine Hinterlist, sondern ein Riesenkompliment an den Landsmann Fauré, der sich 1924 erst ganz zuletzt und schon schwer krank an die Gattung Streichquartett gewagt hatte, weil „all diejenigen, die nicht Beethoven sind, eine Heidenangst vor ihr haben“.

Das Quatuor Ébène, 17 Jahre lang rein männlich besetzt, seit Herbst 2017 mit Marie Chilemme an der Bratsche, eine wunderbare Einfügung, zeigt in seinem geradezu existenziellen Spiel, wie tief die Emotion sitzt, wie nah man einander musizierend kommt, ohne die Individualität aufzugeben. Die polyphonen Abschnitte bei Fauré und die Fugierung im dritten Rasumovsky-Quartett Beethovens definieren geradezu diese interpretatorische Haltung: Vier durchaus eigene Stimmen amalgamieren zu einem übergeordneten Ganzen. Und es ist atemberaubend, mit welcher Perfektion das geschieht, mit welcher Spielfreude, Risikobereitschaft und Eleganz.

Die Fülle, die sich mitteilt, kommt auch aus dem Hintergrund. Das Quartett hebt (u. a. auch bei seiner Haydn-Interpretation) Werke in die Gegenwart, spürt ihrem Drive, ihrer Subtilität, der inneren Spannung und dem Subtext nach. Fauré wird ebenso leidenschaftlich wie hochfein bestätigt, Beethovens Frühes hat taufrische Farben, das C-Dur-Rasumowsky ganz und gar seine Eigenheiten. (u.st.)