Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 28.05.2018


Wattens

Musik im Riesen: Liebessehnen und ein Dankgesang

Barockes und Beethoven mit Echo prominent beim Festival „Musik im Riesen“.

© Swarovski KristallweltenTenor Julian Prégardien und am Cembalo Christophe Rousset, die in Wattens in die Welt der französischen Barockmusik eintauchten.Foto: Kristallwelten



Von Ursula Strohal

Wattens – Zauberhafte Mittagsstunden. Mit dem exzellenten Christophe Rousset als Zentralgestirn braucht es keinen Kerzenschein, da werden Vorstellungskraft und Emotion geweckt und in der sachlich-transparenten Architektur des Swarovski Building Brandgut nur von den Klischees der individuellen Imagination beeinflusst. Rousset, selbst an Cembalo und Orgel, kam zum Riesen-Festival mit einem kleinen Ensemble seiner Talens Lyriques, französischer Barockmusik aus der Zeit des Sonnenkönigs und dem Tenor Julian Prégardien, der von Rousset sagt: „Er atmet diese Musik wie kein anderer.“

Und auch Prégardien hat die ausgewählten Liebesgesänge sowie François Couperins „Salve Regina“ vereinnahmt. Es war die Zeit der hohen Tenöre mit ihren speziellen Gesangstechniken, der sanften Melancholie enttäuschter Liebe und Zartheit der Hoffnung, der Seelenverwandtschaft zu Orpheus. Prégardien macht sich die Besonderheit sowie Klang, Anmut und Eleganz mit engster Ton-Wort-Verbindung zu eigen, ohne die männliche Grundierung aufzugeben. Rousset und Lucile Boulanger an der Gambe konturierten die Orpheus-Kantaten von Clérambault und Rameau und brachten die „Airs de cour“ u. a. von Michel Lambert sowie ein Couperin-Konzert zum Schwingen, erfüllt auch von Gilone Gaubert-Jacques’ klarem Geigenton und Manuel Granatieros erfülltem Flötenklang.

Abends dann das Tetzlaff Quartett mit einer großen, ausgereiften Interpretation von Ludwig van Beethovens Streichquartett in a-Moll op. 132. Den „Dankgesang eines Genesenden“ mit seinen fugierten Unterbrechungen spielte das Quartett wie in dem Wissen, dass die Genesung nur vorübergehende Erleichterung war. Zuvor das Streichquartett ebenfalls in a-Moll, op. 13. des blutjungen Felix Mendelssohn Bartholdy. Geniestreich und Beethoven-Reverenz, eher spontan geboten von dem insgesamt wunderbaren Christian Tetzlaff an der ersten Violine, Tanja Tetzlaff, die am Violoncello hochmusikalische Fundamente schuf sowie Elisabeth Kufferath (2. Violine) und Hanna Weinmeister (Viola), die mitunter für zu dichte Fülle sorgten.