Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.05.2018


“Musik im Riesen“

Im Kosmos himmlischer Naturbeschwörungen

Jung, hervorragend, respektvoll. Internationaler Musiknachwuchs beschließt mit Schuberts „Forellenquintett“ den Zyklus „Musik im Riesen“.

© Hauser



Von Markus Hauser

Wattens – Wie gut hat es doch die „Schubertsche“ Forelle, in ihrem Bächlein, so klar und helle. Im Gegensatz zu ihren vom Aussterben bedrohten Artgenossen in trüben Tiroler Gewässern weiß sie vom quicklebendigen Dasein, steht sie als Symbol für das pulsierende Leben. Freilich, diese Vitalität in Franz Schuberts „Forellenquintett“ für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass A-Dur, diese Lobeshymne an eine alles Leben spendende Natur im Konzertsaal so aufblühen zu lassen, dass man als Zuhörer herausgerissen aus dem Hier und Jetzt und hineinkatapultiert wird in diesen Kosmos der himmlischen Naturbeschwörungen, dazu bedarf es großer Musiker. Die haben sich am Sonntagabend zum Abschlusskonzert der Veranstaltungsreihe „Musik im Riesen“ mit Hyeyoon Park (Violine), Benjamin Grosvenor (Klavier), Timothy Ridout (Viola) Kian Soltani (Violoncello) und Leon Bosch (Kontrabass) offensichtlich zusammengefunden. Der Australier Brett Dean war ursprünglich an der Viola vorgesehen. Doch wegen des Ablebens seiner Mutter verhindert, war mit Timothy Ridout ein Ersatz gefunden, und was für einer.

Die daraus resultierende Programmänderung, seit knapp einer Woche bekannt, wurde weder im Programmheft durch ein kleines Beiblatt ergänzt noch im Internet korrigiert. Ignoranz oder schlicht Unfähigkeit?

Doch zurück zu Schubert: Fließen soll es, schweben, spitzbübisch heiter soll es sein. Das tat es, das war es.

Und unter der Wasseroberfläche schwamm sie mit, die Trübsal der Zukunft, der Kampf mit dem unbewussten Element Leben. Nicht weniger hingebungsvoll interpretiert Schuberts Klaviertrio Notturno Es-Dur zum Auftakt. Violine und Cello eng umschlungen, glitzernde Klavierakkorde, Haupt- und Nebenstimmen wechselnd, Sehnsucht- und Wehmutsmusik pur.

Teil zwei hat mit Béla Bartóks Rhapsody Nr. 1 für Violine und Klavier und J. Brahms’ Klavierquartett g-Moll op. 25 den „Zigeunerstand“ geadelt. Ein Bartók von wohltuender Plastizität und, wo vonnöten, mit harschem, ja aggressivem Tonfall ausgestattet. Attackierende Zugkraft und eine lyrische Kantabilität vereint im ebenfalls von Zigeunermusik inspirierten Brahms-Quartett zeigten vier junge Musiker, die es verstehen, sich von virtuoser Spiellaune und Exzessivität ins ernste Halbdunkel des Brahmschen Kosmos zurückzuziehen.

Standing Ovations!


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