Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.06.2018


Innsbruck

Mehr als ein Jahrzehnt im Dienst der Musik

Andy Franzelin war einst Mastermind des „Weekender“ – jetzt ist er wieder selbstständiger Künstlervermittler.

© Eva EigenstillerEin Bild aus vergangenen Tagen: Andy Franzelin im mittlerweile legendären Weekender.



Innsbruck – Kurz gerät Andy Franzelin bei seiner Erzählung über seine Jahre in Innsbruck ins Stocken. Das Aus des „Weekender“ steckt ihm merklich noch in den Knochen. Seine Andeutungen lassen erahnen, dass er nach der Schließung des Clubs im Mai 2017 kurz überlegte, seiner Heimatstadt den Rücken zu kehren. Er ging nicht. Seine Bindung zur Stadt scheint sogar noch enger geworden zu sein. Jetzt veranstaltet er Konzerte und vermittelt den „Weekender-Kontakten“ die passenden Locations.

Alles begann für Franzelin in Innsbruck. Während seines BWL-Studiums betätigte er sich als DJ in Lokalen. Noch früher träumte er in Arzl davon, Rockstar zu werden. Aus „mangelndem Talent“, wie er anmerkt, kristallisierte sich aber heraus, dass es eher auf eine Tätigkeit in der Musikindustrie hinauslaufen würde.

Doch die Konzerte von Bands aus England und den USA, die Franzelin damals viel besuchte, konnte man im allerbesten Fall in München erleben. Diese Erkenntnis führte dazu, dass er zusammen mit seinem Konzert- und Wegbegleiter, Justin Barwick, 2006 den „Weekender“ ins Leben rief. Die Musikwelt Londons wurde einfach nach Innsbruck geholt. Das Konzept ging auf. Die Innsbruckerinnen und Innsbrucker pilgerten bald scharenweise zu den in ein Clubkonzept integrierten Konzerten der in London angesagten Indie-Bands. Mit Kleinbus und Fähren karrten Franzelin und Barwick stets neue, gerade aufpoppende Bands höchstpersönlich von der Themse an den Inn.

Das funktionierte etwa drei Jahre bestens. Doch das Platzen der Indie-Pop-Blase und konzeptionelle Schwächen machten eine Neuausrichtung notwendig. Sowohl Schwulen-Lesben-Partys als auch Reggae-Events waren nun möglich. Es regierte plötzlich der wilde Stilmix, welcher bis zur Schließung des Weekender blieb. Den Club zu Fall brachte aber nicht diese Stilvielfalt, sondern unter anderem das Rauchverbot, das, so Franzelin, das „Café-Geschäft killte“, das Intermezzo „Fritz Factory“ und anhaltende Nachbarschaftsbeschwerden.

„Die Fritz Factory, basierend auf dem Silent-Disco-Konzept, war der erste richtig schwere Fehler, den wir gemacht haben“, gibt Franzelin unumwunden zu. Nach nur einem halben Jahr schloss man den neuen Zweitclub im ehemaligen Café wieder, der eigentlich als Erweiterung zum Weekender gedacht gewesen war. Als Stadtmagistrat und Polizei dann später bei fast jedem Konzert vorstellig wurden und klar war, dass man keine Subventionen von Stadt oder Land zu erwarten hatte, beschloss man nach zwölf Jahren, „den Hut draufzuhauen“.

Nach der Entscheidung zur Schließung kam im Jänner 2017 zeitgleich das Angebot, Teil des Management-Teams des neuen Hard Rock Cafés in Innsbruck zu werden. Die Arbeit verdoppelte sich also für Franzelin. „Das ging damals an die Substanz, war aber spannend“, sagt er über die fast fünf Monate anhaltende Doppelbelastung.

Dass seine Tätigkeit als Marketing- und Sales-Manager des Hard Rock Cafés nur kurz währen würde, konnte er damals allerdings noch nicht ahnen. „Mir fiel aber bald auf, dass ich nicht der Richtige dafür bin“, bemerkt er dazu lapidar. Es ging zurück in die Selbstständigkeit. Unter dem schon etablierten Namen „Weekender presents:“, unter dessen Dach in den Weekender-Zeiten Konzerte und Events außerhalb der Stamm-Location veranstaltet wurden, betreibt er seit Anfang Mai eine Konzert- und Künstlervermittlungsagentur. Es schaut also so aus, als ob Franzelin Innsbruck auch für die nächste Zeit erhalten bleibt. „Ich bin sehr in Innsbruck verwurzelt und habe viele Kontakte und Netzwerke hier“, merkt er lächelnd an. Innsbruck scheint außerdem auch kein schlechter Boden für ihn und seine Aktivitäten zu sein. (mst)